Die grundlegenden Aussagen dieses Buches (Erstauflage 2009) bleiben weiterhin gültig ...
Auch wenn die Veröffentlichung dieser Streitschrift der beiden Ausnahmeliteraten Juli Zeh und Ilja Trojanow inzwischen bereits einige Jahre zurückliegt (Veröffentlichung 2009), so hat sie von ihrer Brisanz keinesfalls etwas eingebüßt. Eher im Gegenteil. Die Freiheit als universelles Menschenrecht ist inzwischen wohl noch stärker gefährdet als in diesem Buch analysiert und mittels aussagekräftiger Beispiele belegt. Freiheit ist die Voraussetzung sowohl für die persönliche als auch die gesellschaftliche Entwicklung. Und je mehr diese begrenzt wird (und seien die Gründe auch noch so lauter), umso mehr büßen wir von unseren Entwicklungsmöglichkeiten ein, so das Credo dieses äußerst lesenswerten Buches.Und warnend wird zugleich der Zeigefinger gehoben, sich nicht mit den zunächst logisch erscheinenden Forderungen einiger Politiker nach Beschränkung von Freiheitsrechten, zumindest für bestimmte Personenkreise, anzufreunden, sondern diese kritisch zu hinterfragen. Denn es sollte nicht dazu kommen, dass wir "gutmütig wie eine Kuh [...] den angeblich zwingend notwendigen Entwicklungen [..., zuzuschauen] und die dazugehörigen Argumentationen wiederzukäuen: Anders als durch Freiheitsbeschränkung sei ¿Sicherheit' nicht zu gewährleisten, und der ¿unschuldige Bürger' sei von den Veränderungen doch ohnehin nicht betroffen." Warum diese einfache Gleichung nicht aufgeht, wird hier tiefgründig und vielschichtig diskutiert. So wird unter anderem nachgewiesen, dass durch die "rhetorische Hysterie", in denen sich Politik und Journalismus leider inzwischen ergänzen, die Fronten zwischen Freiheitsdrang und Sicherheitsdenken inzwischen weiter verhärtet haben, der Aufwiegelung Tür und Tor offengestoßen wurden und dem Populismus eine Art Arena geboten wird, die einer sachlichen Diskussion nicht gerecht wird. Notwendig wird, nach Meinung der Autoren "eine Grundsatzdebatte darüber wie sich angesichts veränderter technologischer, wirtschaftlicher und politischer Bedingungen das Verhältnis von Freiheit und Sicherheit ins Gleichgewicht bringen läßt [sic!]. Dies gilt insbesondere auch, wenn man die entsprechenden Entwicklungen während der Corona-Pandemie mit einbezieht.Insofern ginge es weniger darum "wir" gegen "die anderen" auszugrenzen, sondern sich gemeinsam - und zwar freiheitlich - den grenzüberschreitenden Aufgaben wie Bekämpfung des Klimawandels, Schutz der Umwelt, friedenserhaltende Maßnahmen und sozialer Ausgleich zuzuwenden.Auch wenn einige Passagen inzwischen von der Realität überholt wurden ("Die reale Bedrohung durch die Blockkonfrontation hat sich aufgelöst"; das stimmt zwar, allerdings hat Putins Krieg gegen die Ukraine eine neue Phase des Säbelrasselns eingeläutet ...) so bleiben die grundlegenden Aussagen dieses Buches weiterhin gültig. Insofern läge es nahe, und es wäre wünschenswert, wenn durch eine Neuauflage dieses Buches die aktuellen Entwicklungen mitberücksichtigt würden. Es lohnt sich - auch im Sinne der Freiheit ...(16.7.2023)