Wer die Serie kennt und nun zum Buch greift, erlebt eine Überraschung: Beide sind gut ¿ aber eben anders.
Ich kenne und liebe die Fernsehserie seit Jahren - und habe sie wohl schon dutzendfach gesehen. Nun wurde es höchste Zeit, endlich auch die Romanvorlage zu lesen.M.C. Beaton hat eine Welt erschaffen, in der man sich so wohlfühlt, dass ich mich als Leserin sofort als Teil des Dorfes erlebe. Die Cotswolds-Atmosphäre ist lebendig und stimmig beschrieben, die Charaktere überzeugend und lebhaft. Die Geschichte ist logisch und nachvollziehbar - für mich als Autorin, die selbst weiß, wie schwer das ist, keine Selbstverständlichkeit. Ein echter Cozy Crime, keine Blutoper.Wer allerdings die Serie kennt, wird irritiert sein. Agatha Raisin im Roman ist ein völlig anderer Mensch - sowohl in der Erscheinung als auch im Charakter. Roy Silver, Mrs. Bloxby, ihr Mann - alle anders. Ashley Jensen und Mathew Horne haben etwas Eigenes und Gutes in ihre Rollen gebracht, aber sie spielen im Grunde andere Figuren.Was mich dabei wirklich beschäftigt: Warum wurden diese Veränderungen vorgenommen? Zeitliche Anpassungen verstehe ich - Handy und Laptop existierten zur Entstehungszeit nicht. Aber warum ändert man das grundlegende Temperament und die körperliche Erscheinung der Hauptfigur? Warum die Hautfarbe von Nebenfiguren? Warum die sexuelle Ausrichtung von Roy Silver? Welche Absicht könnte da dahinterstecken? Ich stelle diese Fragen ohne Vorwurf - ich bin grundsätzlich neugierig. Interessant ist, dass M.C. Beaton selbst dazu Stellung genommen hat. In einem Interview sagte sie: "Ich hatte nicht viel Mitspracherecht bei Agatha fürs Fernsehen. Zum Glück war ich mit Ashley Jensens Interpretation zufrieden. Sie sieht vielleicht nicht so aus wie die Agatha der Bücher und klingt auch nicht so, aber sie hat ihren Charakter gespielt." (Quelle: tellyspotting.kera.org)Ein Foto von 2018 zeigt M.C. Beaton und Ashley Jensen gemeinsam (Wikipedia) - offenbar waren die beiden gut miteinander. Was die Autorin wirklich über alle Veränderungen dachte, bleibt dennoch ihr Geheimnis. Sie starb Ende 2019 im Alter von 83 Jahren.Mein Fazit für diesen ersten Band: Ein charmantes, stimmungsvolles Buch, das für sich allein sehr gut funktioniert. Ich bin neugierig auf den zweiten Band - und gespannt, ob sich mein Eindruck bestätigt.