Cover & Klappentext
Das Cover besticht durch ein ausdrucksstarkes Design. Allein die Farbgebung fordert geradezu die Aufmerksamkeit. Im Großen und Ganzen gefällt es mir. Allerdings hätte ich auf die Darstellung von Avery verzichten können.
Neben der Autorin, die mir definitiv ein Begriff ist, hat mich der Klappentext angesprochen. Er klang vielversprechend und hat meine Erwartungshaltung deutlich in die Höhe getrieben.
Meinung
Bevor Avery in den Berufsalltag einsteigt, macht sie Urlaub in Frankreich. Im Louvre begegnet sie Deavon, einen der Dämonenprinzen, der sie kurzerhand mitnimmt und zur Schulddämonin macht. Als würde das noch nicht reichen, landet sie in einer WG mit einem Haufen Verrückter und muss sich einer aufreibenden Ausbildung stellen. Und wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, rauszufinden, wie sie wieder in ihr gewohntes Leben zurückkehren kann, zeigt Deavon stalkerische Tendenzen, da er sie gefühlt nie aus den Augen lässt.
Als sie mit seiner Familie konfrontiert wird und in das Machtgerangel der Geschwister gerät, muss sie eine schwerwiegende Entscheidung treffen, die ihr Dasein für immer verändern wird.
Aus der Sicht von Avery und Deavon wird man durch das Geschehen geführt, wobei der Einstieg wirklich gelungen war.
Es gibt manchmal Bücher, die schon mit den ersten Zeilen den Leser zu fesseln vermögen. Die dafür sorgen, dass man sich regelrecht auf die Geschichte freut. So ging es mir hier.
Es wäre schön gewesen, wenn es die Autorin geschafft hätte, mich für den kompletten Roman zu vereinnahmen. Leider sorgten einige Längen dafür, dass ich gelegentlich abschweifte.
Der Schreibstil ist angenehm und passt zum Gesamtgefüge. Er ist mal locker-leicht, mal ein wenig gestelzt sowie entspannt. Das ist eine sehr interessante Mischung, die immer den jeweiligen Charakteren entsprochen hat.
Für Avery beispielsweise schwingt oftmals eine gewisse Portion Sarkasmus mit. So wurde sie angelegt.
Spontan lässt sich Avery nur schwer beschreiben. Sie ist vielschichtig, tiefgründig, durchsetzungsfähig, aber auch unsicher mit einer Spur Naivität. Sie vereint einige Widersprüche in sich. Und obwohl viel Zeit darauf verwandt wurde, sie zu zeichnen, bin ich nicht komplett aus ihr schlau geworden. Ich würde es gern auf die Umstände im Devar schieben, aber das ist es nicht. Irgendein letzter greifbarer Punkt blieb mir verwehrt.
Dafür hat mir ihre Weiterentwicklung sehr gefallen, die definitiv in der Fortsetzung noch deutlicher zutage treten wird.
Bei Deavon war es ähnlich und doch anders. Als jahrhundertealter Prinz seiner Ebene darf er undurchsichtig und geheimnisvoll sein. Seine Motive sind teils fluch-motiviert, womit sie auf seinen Emotionen basieren, auf der anderen Seite behält er das große Ganze im Blick.
Aber die Geschichte lebt nicht nur von den beiden Hauptprotagonisten. Deavons Geschwister und die Mitbewohner von Avery spielen ebenfalls eine große Rolle. Sie alle wirken überwiegend nicht präsent genug. Das lässt sich jedoch verschmerzen, berücksichtigt man die immer schneller fortschreitende Handlung.
Während die ausufernden Erklärungen bürokratischer Natur viel Raum einnehmen, nimmt im Verlauf die Spannung immer mehr zu, sodass damit auch das Tempo erhöht wird.
Das ging so weit, dass die Beschreibungen beinahe wie ein gewollter, zum Teil witziger Entschleuniger wirkte, damit man ein wenig durchatmen konnte.
Insgesamt hat die Autorin hier eine fantasie-trächtige Geschichte erschaffen, die viel Potenzial mitbringt, ein Pageturner zu sein. Gerade die Erzählweise überrascht auf eine positive Art und amüsiert eher. Jedoch hätte ich mir mehr Sarkasmus sowie ein wenig mehr Humor gewünscht, damit Avery als sarkastische Heldin auch richtig in Szene gesetzt wird. Aber was nicht ist, kann ja noch werden, denn ihr Abenteuer ist noch nicht vorbei. In der Fortsetzung muss sie weiterhin beweisen, was in ihr steckt, und, wie es so oft üblich ist, über sich hinauswachsen.
Fazit
Ein außergewöhnlicher Auftakt einer enorm unterhaltsamen Geschichte, die den Leser schnell in ihren Bann zieht sowie eine Botschaft enthält. Mit einer schrägen Hauptprotagonistin, die nicht nur auf die Farbe Pink steht, sondern sie lebt, ist sie wie ein Farbklecks im Devar, der sonst eher düster anmutet.
Willkommen im Devar, wo Schwäche dein Untergang sein wird.
Ich vergebe knappe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.