Inhalt: Weihnachten steht vor der Tür. Simeon Lee, ein umtriebiger Unternehmer im Ruhestand, lädt seine gesamte Verwandtschaft zum Fest ein. Eigentlich eine schöne Geste, wäre Lee nicht der patriarchale Familientyrann, der keine Gelegenheit auslässt, seinen Söhnen (und deren Ehefrauen) zu zeigen, wie sehr er sie verabscheut. Als Lee am 24. Dezember ermordet aufgefunden wird, steht Hercule Poirot daher vor einer besonderen Aufgabe: Jedes Familienmitglied hatte gute Gründe den Mord zu begehen; das Identifizieren des Täters gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen...Persönliche Meinung: "Hercule Poirots Weihnachten¿ ist der 17. Kriminalroman rund um die Ermittlerfigur Poirot. Erzählt wird die Handlung von einem auktorialen Erzähler, der in eine Vielzahl von Figuren schlüpft. So werden die Perspektiven von mehreren Familienmitgliedern, von Personen aus der Dienerschaft sowie natürlich von Poirot eingenommen, sodass man einen sehr umfangreichen Blick auf den Fall erhält. Stark gemacht ist insbesondere die Zeichnung des tyrannischen Lee: Er wird als Unsympath schlechthin charakterisiert, der vorurteilsbeladen denkt, illoyal handelt und beleidigend auftritt. Die Handlung selbst beginnt behutsam. Ehe nach circa einem Drittel der Handlung der Mord geschieht, lernen wir die Familie Lee kennen, können uns ein Bild von den Gepflogenheiten sowie dem (späteren) Mordopfer machen. Der Mord selbst ist spannend konstruiert: Er ist gewaltsam und blutig, findet aber in einem "verschlossenen Raum¿ statt, wobei mehrere Personen versichern können, dass niemand außer Lee im Raum war (wie das alles "funktioniert¿, offenbart Poirot stimmig zum Schluss). Nach dem Mord - mit dem Poirots Auftritt einhergeht - plätschert die Handlung allerdings eher dahin, da der Fokus auf die Befragung der Familienmitglieder gerichtet wird. Dies mag für Poirot sinnvoll sein, da er die Familienmitglieder nun zum ersten Mal kennenlernt; für die Lesenden hingegen wird diese Befragungsrunde redundant, da es sich hauptsächlich um bereits bekannte, in der Vorstellung der Familie benannte Informationen handelt. Vieles wird - salopp formuliert - lediglich wiedergekäut, wodurch das Tempo der Handlung verloren geht. Hingegen voll überzeugen konnte mich die Auflösung der Handlung. Einerseits werden hier einige wahre Intentionen mehrerer Figuren aufgedeckt, die man nicht unbedingt ahnen konnte, andererseits war die Identität der Täterfigur für mich vollkommen überraschend. Insgesamt ist "Hercule Poirots Weihnachten¿ ein wendungsreicher Krimi nach klassischem Format, für den man allerdings gerade im Mittelteil etwas Durchhaltevermögen braucht.