Wer an Donna Leon denkt, denkt an Brunetti, wer Schimanski hört, hat Götz George im Sinn und wer den Namen Jürgen Drews vernimmt, sieht vor seinem geistigen Auge ein Bett im Kornfeld. Wer Komarek liest, erinnert sich an den kauzigen Polt. So funktionieren die Verbindungen zwischen den Erfindern von Figuren und Szenarien und genauso schnell werden sich die beiden Elemente nicht mehr los. Ein Teufelskreis für die einen, eine sichere Bank für die anderen, ein Verlust für das Publikum, wenn es über das festgefahrene Verhältnis nichts anderes zulässt oder entdecken will. So ist es hier auch mit "Alfred", ein kleines, schmales Buch von Komarek, das so gar nichts mit dem Polt zu tun hat. Alfred ist eine kleine Nummer, ein Unauffälliger, ohne Ambitionen. Weil er aber versucht, allem eine Zuordnung und einen Sinn zu geben, bricht er auf und macht sich auf die Suche nach sich selbst. Dabei lässt er keine Hölle aus, rettet sich manches Mal in fast zynischen Pragmatismus und ist am Schluss die Summe seiner Ereignisse und Erfahrungen. Ob er sein Ziel erreicht hat, wird dem Leser und dessen Sichtweise überlassenWas das denn sein soll, wird sich er/sie dann fragen. Was denn eine akzeptable Antwort wäre, könnte man zurückfragen. Komarek selbst gibt uns keinen Anlass, in die eine oder andere Richtung zu denken, er hat eine Geschichte über eine Reise erzählt, deren Besonderheit in der Spitzfindigkeit der Formulierungen besteht und deren Emotionsskala von traurig bis lustig reicht. Ob man ihm Biografisches unterstellen soll, scheint nicht nur sekundär, sondern auch unwichtig. Es ist eine Reise, die der Hauptfigur aufgegeben ist und die ihn scheinbar an ein Ziel führt.Nach seinen großen Erfolgen mit Polt und Käfer lädt uns Komarek in eine schriftstellerische Gegend ein, die man von ihm nicht gewohnt ist. Aber diese Reise lohnt sich, denn sie zeigt den Autoren nicht nur von einer ungewohnten Seite, sondern auch von der des sorgfältig und stilistisch großartig arbeitenden Schreibers.