Spannende Einblicke in das gesamte Leben der ehemaligen Kanzlerin, wobei gerade die Einblicke in ihr Leben in der DDR besonder spannend sind
In ihrer Autobiografie "Freiheit" beschreibt Angela Merkel ihr gesamtes Leben auf fast 750 Seiten. Diese Länge fällt bei dem Buch jedoch selten auf, schließlich war das Leben so bewegt und ereignisreich, dass man vermutlich noch ein zweites Buch dieser Länge problemlos hätte füllen können. Die Beschreibungen beginnen in der Kindheit und Enden mit dem Ende ihrer Kanzlerschaft. Besonders herausragend war für mich der erste Teil des Buches, in dem sie ihr Leben bis etwa Mitte der 1990er Jahre. In diesem beschreibt Merkel ausführlich ihr Leben in der DDR, ihr Aufwachsen, ihr Studium und schließlich ihre Arbeit als Wissenschaftlerin bis zur Wende. Dies fand ich besonders interessant, weil man dadurch doch noch einmal ein anderes Bild von ihr bekommt, sie zeigt, dass sie in einer Diktatur aufgewachsen ist, mit allen Konsequenzen, die dies hatte. Auch die nachfolgenden Beschreibungen der Wende und ersten Jahre des geeinten Deutschlands, in dem Merkel einen schnellen politischen Aufstieg hinlegte, fand ich gut zu lesen.Tatsächlich flacht für mich das Buch im zweiten Teil, insbesondere während ihrer Kanzlerschaft ab. Zwar ist das Buch nach wie vor nett und sehr gut lesbar geschrieben und voller interessanter Anekdoten aus der Welt der globalen Spitzenpolitik, allerdings versucht Merkel immer mehr ihr politisches Handeln nur zu rechtfertigen und zeigt auf, wie andere ihrer Meinung nach die Dinge verdreht haben. Dies fand ich ein wenig langatmig und teilweise auch schade. Dennoch schafft sie es durch die Länge des Buches, viele wichtige Themen ihrer Regierungen anzusprechen. Insgesamt war es ein sehr gut lesbares Buch, das angenehm geschrieben wurde und man, bei entsprechendem politischen und zeitgeschichtlichen Interessen, unbedingt lesen sollte. Für mich gibt es 4 von 5 Sterne.