Schlangengrube - Anna JanssonMit Schlangengrube legt Anna Jansson bereits den sechsten Fall für Kommissar Kristoffer Bark vor. Erneut verbindet sie einen aktuellen Kriminalfall mit lange zurückliegenden Ereignissen und zeigt, wie sehr die Vergangenheit Jahrzehnte später noch das Leben der Menschen bestimmen kann. Gerade diese Mischung aus Cold Case und aktuellen Ermittlungen gehört inzwischen zu den großen Stärken der Reihe.Der Einstieg gelingt ausgesprochen spannend. Nach einem Brand in einem alten Kino wird im Lüftungsschacht die Leiche eines jungen Mannes entdeckt, der bereits vor vierzig Jahren spurlos verschwand. Gleichzeitig erschüttert ein raffinierter Giftanschlag auf einer Universitätsfeier die Region. Anfangs wirken beide Fälle völlig unabhängig voneinander, doch nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass beide Verbrechen enger miteinander verbunden sind, als zunächst vermutet.Besonders gut gefallen hat mir der Aufbau der Geschichte. Anna Jansson versteht es, den Leser immer wieder mit neuen Informationen zu versorgen, ohne zu früh zu viel preiszugeben. Vor allem der Cold Case entwickelt schnell einen ganz eigenen Reiz. Man möchte unbedingt erfahren, was damals wirklich geschehen ist und weshalb der verschwundene junge Mann erst jetzt entdeckt wurde.Auch der Anschlag an der Universität sorgt für reichlich Spannung. Die Autorin entwickelt daraus einen komplexen Fall, bei dem lange nicht klar ist, wer eigentlich hinter den Taten steckt und welches Motiv dahintersteht. Immer wieder glaubt man, einer Lösung näherzukommen, nur um kurz darauf erneut in eine andere Richtung gelenkt zu werden.Sehr gelungen fand ich außerdem die kurzen Kapitel aus der Sicht des Täters beziehungsweise einer zunächst nicht eindeutig einzuordnenden Person. Diese Einschübe erzeugen immer wieder ein leichtes Gänsehautgefühl und sorgen dafür, dass die Bedrohung ständig präsent bleibt, ohne zu viel von der späteren Auflösung vorwegzunehmen.Kristoffer Bark selbst bleibt für mich auch im sechsten Band ein sympathischer Ermittler. Er wirkt bodenständig, ruhig und menschlich. Gerade sein Privatleben wird erneut aufgegriffen und verleiht der Figur zusätzliche Tiefe, ohne die eigentlichen Ermittlungen zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Auch sein Team funktioniert wieder sehr gut und ergänzt sich glaubwürdig.Der Schreibstil von Anna Jansson liest sich angenehm flüssig. Die Seiten vergehen schnell, weil sie sehr verständlich schreibt und die Handlung übersichtlich strukturiert. Allerdings muss ich auch sagen, dass der Roman zwischendurch einige kleinere Längen besitzt. Durch die Vielzahl an Figuren und Handlungssträngen musste ich mich gelegentlich etwas konzentrieren, um alle Zusammenhänge im Blick zu behalten. Gerade im Mittelteil verliert die Geschichte dadurch etwas an Tempo.Auch wenn beide Fälle letztlich überzeugend zusammengeführt werden, wirkte die Konstruktion an manchen Stellen etwas kompliziert. Einige Wendungen erschienen mir etwas bemüht, sodass die Spannung für mich nicht ganz das Niveau der stärkeren Vorgänger erreicht hat. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn insgesamt bleibt der Roman dennoch durchgehend unterhaltsam.Das Cover gefällt mir wieder ausgesprochen gut. Das einsam gelegene rote Haus vor der felsigen Landschaft wirkt gleichzeitig idyllisch und geheimnisvoll. Es fängt die Atmosphäre des Romans sehr schön ein und macht sofort neugierig auf die Geschichte.Unterm Strich ist Schlangengrube wieder ein guter Krimi mit interessanten Ermittlungen, einem gelungenen Cold Case und einer spannenden Grundidee. Zwar erreicht der Roman für mich nicht ganz die Stärke einiger früherer Kristoffer-Bark-Bände, weil sich die Handlung stellenweise etwas zieht und durch die vielen Figuren unnötig kompliziert wirkt. Dennoch bietet Anna Jansson erneut solide Krimiunterhaltung mit sympathischen Ermittlern und einer Atmosphäre, die bis zum Schluss trägt.Für mich vielleicht nicht der stärkste Band der Reihe, aber dennoch ein lesenswerter Kriminalroman mit einem interessanten Rätsel, einem gelungenen Ermittlerteam und einer Auflösung, die die verschiedenen Handlungsstränge schlüssig zusammenführt.