Ein Roman über das Scheitern am Erwachsenwerden ¿ leider mit wenig Tiefgang, was das Leseerlebnis für mich eher zäh als bereichernd machte.
Soloalbumvon Benjamin von Stuckrad-Barre war mein erster Roman aus dem Genre der Popliteratur. Das Buch spiegelt den Zeitgeist der späten 90er-Jahre wider und ist voll von popkulturellen Referenzen - von Videotheken über Talkshows bis hin zu Musik-Samplern und Songtexten. Diese vielen Verweise wirken allerdings oft belanglos und austauschbar. Was bleibt, ist vor allem viel Frust - und der zieht sich durch das ganze Buch.Der Ich-Erzähler ist ein junger Musikredakteur, frisch getrennt von seiner Freundin und vollkommen aus dem Gleichgewicht. Doch es geht nicht nur um Liebeskummer - viel mehr zeigt der Roman, wie der Protagonist an sich selbst scheitert. Seine Identitätskrise wirkt stellenweise wie eine depressive Episode, die er jedoch nicht ernsthaft verarbeitet, sondern stattdessen auf alles und jeden um sich herum projiziert. Er lenkt sich mit Fernsehen, Musik und Konsum ab - Hauptsache, nicht fühlen müssen.Mich hat diese ständige Ablenkung ehrlich gesagt ziemlich gelangweilt. Die Belanglosigkeit der Inhalte, gepaart mit der zynischen Erzählstimme, hat es mir schwer gemacht, beim Lesen dranzubleiben. Auch der Schreibstil war für mich anstrengend: roh, bruchstückhaft, schnodderig - wie die Gedanken eines unreifen Jungen, der alles kommentiert, aber nichts wirklich durchdringt. Es war für mich kein literarisches Highlight, eher eine lose Aneinanderreihung von Stimmungen, Referenzen und Floskeln - mit wenig Entwicklung und noch weniger Spannung.Was ich dem Buch positiv anrechne: Es zeigt, wie viele junge Männer Schwierigkeiten haben, mit emotionalen Krisen umzugehen. Gefühle werden nicht ausgedrückt, sondern hinter Coolness, Sarkasmus und Ironie versteckt. In dieser Hinsicht bietet der Roman eine durchaus treffende Beschreibung eines männlichen Umgangs mit emotionaler Überforderung.Der tiefere Sinn vonSoloalbumliegt nicht in einer klaren Botschaft, sondern in einer Zustandsbeschreibung: Eine Generation, die sich über Konsum und Popkultur definiert, aber keine Sprache mehr für echte Gefühle hat. Ein Roman über das Scheitern am Erwachsenwerden - leider mit wenig Tiefgang, was das Leseerlebnis für mich eher zäh als bereichernd machte