In allen Bereichen gelungen - das Erzählen in die Breite muss man aber vielleicht mögen.
Die Geschichte von der magischen Stadt birgt nicht nur Geheimnisse, sondern auch Politik, Gesellschaft, Psychologie. Wer derartige Themen mag und dazu noch Geheimnisse und ausgestaltete Charaktere, sollte zugreifen. Schreibstil: Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und auf den Punkt. Manchmal auch humorvoll. Ich bin bei dem Humor nicht immer mitgegangen, aber das ist Geschmackssache. 5 Sterne Charaktere: Die Figuren funktionieren alle und sind vielfältig ausgestaltet. Es gibt Details, die sie individuell und lebendig machen wie beispielsweise Sarenes Größe. 5 Sterne Handlung und Struktur: Für mich war das Buch zu jedem Zeitpunkt interessant zu lesen - allerdings hätte man es ganz sicher auch schneller erzählen können. Es gibt viele Kapitel, in denen einfach nur geplant wird oder Intrigen stattfinden, die für die Gesamthandlung dann doch nicht so relevant sind. Mit etwas Kürzung wäre die Handlung also auf jeden Fall temporeicher gewesen. Allerdings dürfte auch das eine Geschmacksfrage sein - gerade in der High Fantasy wird ja gerne mal in die Breite erzählt und diese Technik hat auch ihre Fans. 4 Sterne Tiefgang: Hier geht es um Politik und Intrigen, gesellschaftliche Dynamiken, auch um Menschen und Psychologie. Es gibt also auf jeden Fall was zum Nachdenken. Manchmal ging es mir allerdings zu einfach, insofern, dass manche Charaktere bestimmte Entwicklungen und Wendungen für mein Empfinden doch schneller akzeptiert haben, als das realistisch wäre. Hin und wieder schlich sich also der Anschein von Konstruiertheit in das Konzept. Der zweite Punkt, der mir nicht so gefallen hat: Wie sehr sich Sarene von einer Ehe mit einem Mann bzw. von dem Gefühl von einem Mann gewollt zu werden abhängig macht. Das steht ihrer sonstigen Emanzipiertheit komplett entgegen. Natürlich, in gewisser Weise ist diese Facette etwas, das sie dann auch wieder nahbarer und als Figur interessanter macht. Aus der Welt heraus argumentiert, ist diese Einstellung auch folgerichtig und glaubhaft. Nichtsdestotrotz frage ich mich, ob der Figur nicht eine Schwachstelle, die nicht so patriarchal aufgeladen ist, besser getan hätte. Oder warum muss diese Welt überhaupt patriarchal sein? 4,5 Sterne Worldbuilding: Das Konzept ist originell. Natürlich, es ist ein typisches westliches Setting, allerdings stecken da so viele Einfälle drinnen, dass das eigentlich nicht stört. Mittelalter gibt's hier sowieso nicht, eher 17. Jahrhundert oder etwas in diese Richtung und dann ist die Gesellschaft eben schon sehr eigen auf das interessante Magiekonzept ausgerichtet. Ein bisschen zu viel war es mir, dass die Namen alle gleich klingen. Das ergibt zwar Sinn, macht es aber nicht gerade einfach. 5 Sterne Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Nicht so gut wie Sandersons "Nebelgeborene", aber immer noch sehr gut. An Schreibstil, Charakteren und Worldbuilding gibt es gar nichts zu meckern, Tiefgang ist auch mit dabei. Das Erzählen in die Breite wird vielleicht manche Leser*innen abschrecken - gerade, wenn man jemand ist, für den Figurendynamiken eher untergeordnet sind. Alle anderen finden hier einen empfehlenswerten Einzelband. Gesamtwertung: 4,7 Sterne, macht gerundet 5 Sterne