«Der Gefangene des Himmels» verbindet den Zyklus, opfert dabei aber die Ambivalenz, die «Das Spiel des Engels» meisterhaft machte.
Um es vorwegzunehmen: "Der Gefangene des Himmels" ist für mich der schwächste Roman des Zyklus "Der Friedhof der vergessenen Bücher".Zwar wird behauptet, die Romane könnten unabhängig voneinander gelesen werden. Das mag für "Der Schatten des Windes" und für "Das Spiel des Engels" gelten. Der dritte Band hingegen ist vor allem ein Brückenroman, der die beiden Vorgänger miteinander verknüpft.Interessiert mich diese Verbindung? Durchaus. Allerdings nimmt sie dem zweiten Band auch einen Teil seiner Faszination. "Das Spiel des Engels" liess offen, was Realität und was Wahn war. Gerade diese Ambivalenz machte den Roman so meisterhaft. "Der Gefangene des Himmels" löst sie weitgehend auf und erklärt vieles, was zuvor offen bleiben durfte.Zugleich bereitet der Roman den Boden für den vierten Band, indem er neue Fragen aufwirft, die erst noch beantwortet werden müssen. Bezeichnend endet er mit dem Satz: "Er weiss, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Sie hat eben erst angefangen."Auch atmosphärisch erreicht der Roman nicht die Dichte seiner Vorgänger. Die Sprache wirkt weniger geschliffen, manche Dialoge erscheinen beliebig. Mitunter entsteht der Eindruck, der ohnehin schmale dritte Band müsse künstlich gestreckt werden.Dennoch bleibt "Der Gefangene des Himmels" lesenswert. Gemessen an den beiden ersten Romanen ist er jedoch deutlich weniger beeindruckend. Zafón scheint hier auf die Kritik am zweiten Band reagiert zu haben und befriedigt jene Leser, denen dessen Ambivalenz zu wenig greifbar war. Ich hätte sie lieber bewahrt gesehen.Den vierten Band werde ich dennoch lesen. Ich hoffe, dass Zafón darin zu jener erzählerischen Kraft zurückfindet, die die ersten beiden Romane für mich so aussergewöhnlich gemacht hat.