Baron Philippe du Pléssis, neuerdings auch Duc de Cotignac, hat nicht nur den Titel und ein marodes Schloss geerbt. Sondern auch lästige Pflichten wie die Teilnahme am Begräbnis des Vicomte Claude de Murot. Insgeheim empfindet er es als Ironie des Schicksals, dass der Verstorbene, seit mehr als vierzig Jahren Vorstand der Jagdvereinigung Vénerie de Sologne, ausgerechnet durch einen Jagdunfall gestorben ist. Doch seine energische Tante Aude verkündet, dass Claude ermordet wurde und verpflichtet ihren widerstrebenden Neffen als Privatdetektiv. Tatsächlich stößt Philippe auf Ungereimtheiten und informiert Commissaire Charlotte Maigret über seinen Verdacht. Nur widerstrebend beginnt diese zu ermitteln. Aber bald steht fest: Tante Aude hat wieder einmal recht.
Auch in seinem dritten Fall ermittelt Philippe du Pléssis im Loiretal. Obwohl er seine Ermittlerrolle eigentlich aufgegeben hat, lässt ihm Tante Aude keine Wahl. Der amüsante Cosy Crime ist auch für Neueinsteiger gut geeignet.
Wie so oft fehlt anscheinend das Motiv für einen Mord. Denn Claude hatte nur ein Kind, Olivier, das gemeinsam mit seiner Mutter erbt. Für die beiden ändert der Todesfall wenig. Der Titel bringt dem Erben eher Nachteile, da er sich lieber mit seinen skurrilen Hobbys als mit Verwaltung und sonstigen Pflichten beschäftigt. Seine Eltern hatten "ein Arrangement wie Trump und Melania" so Tante Aude und die Witwe wird weiterhin in Saint-Tropez oder Monte-Carlo leben. Also wer hatte ein Motiv für den Mord? Und wie passt der Tod eines Joggers ins Bild, den ein riesiger Hund getötet haben soll?
Baron Philippe erscheint auf den ersten Blick ein oberflächlicher Lebemann und notorischer Frauenheld zu sein. Wird er mit Problemen konfrontiert, tröstet er sich mit leckeren Delikatessen oder teuren Outfits darüber hinweg. Seit seine große Liebe Juliette gestorben ist, lässt er sich auf keine ernsthafte Beziehung mehr ein. Seine Intuition als Ermittler ist allerdings überdurchschnittlich. Meine Lieblingsfigur ist Philippes achtzigjährige Tante Aude, die stets unverblümt ihre Meinung kundtut, am Schießstand ihren Neffen abzieht und messerscharf analysiert. "Das Versagen quillt ihm wirklich aus jedem Knopfloch" urteilt sie über den Erben. Sie liebt Klatsch und hat immer ihren Flachmann dabei. Auch die anderen Charaktere, allen voran die undurchsichtige Charlotte Maigret, haben mich überzeugt.
Catherine Duval unterhält mit ihren bildhaften Beschreibungen der Handlungsorte, der adligen Gesellschaft und dem französischen Savoir-vivre. Sie beschreibt die Jagd aus der Sicht von Befürwortern und Gegnern. Philippe ist kein Jäger. Obwohl oder weil er schon als Kind von Hochstand zu Hochstand geschleppt wurde, kann er sich für die Jagd nicht erwärmen. Seine panische Angst vor Hunden, die auf einem Kindheitstrauma beruht, macht ihm bei den Ermittlungen schwer zu schaffen. Bekommt er es doch gleich mit zwei Hundemeuten und deren Piqueure (Hundeführer) zu tun.
Die Spannung kommt nicht zu kurz. In einem rasanten Showdown wird der Fall schließlich gelöst und der Täter gestellt. Der französische Cosy Crime kommt mit relativ wenig Gewalt aus, obwohl die Hetzjagd mit ein paar schaurigen Details aufwartet. Wie in allen bisherigen Bänden spielt eine historische Persönlichkeit, hier Leonardo da Vinci eine gewisse Rolle. Abgesehen von kleinen Längen im Mittelteil, die sich aus Philippes Befindlichkeiten ergeben, wurde ich sehr gut unterhalten. Ich bin schon auf den nächsten Loire-Fall gespannt und frage mich, wie es mit dem Liebesleben des Barons weitergeht.
4,5 Sterne