In einem dystopischen Amerika, in dem es Frauen per Gesetz verboten ist, mehr als 100 Wörter am Tag zu sprechen, kämpft die Neurolinguistin Dr. Jean McClellan gegen die Regierung."Vox", der Debütroman von Christina Dalcher, kommt mit einem ungeheuerlichen Grundkonzept daher, das aufhorchen lässt. Doch der Einstieg in das Buch fiel mir aus zwei Gründen schwer. Zum einen lag das am Schreibstil des Buches. Jean, aus deren Perspektive erzählt wird, macht nämlich sehr oft Zeit- und Gedankensprünge zu der Zeit, als es noch keine Wortzähler gab, die jedes gesprochene Wort einer Frau registrieren. Und ja, es ist vom Konzept her logisch, da man so Zusammenhänge erfährt und man wenigstens noch seine Gedanken und Erinnerungen hat, wenn man schon kaum sprechen darf. Dennoch war es für mich teilweise schwierig, zu verstehen, wo die Handlung gerade ist.Zum anderen dachte ich, die bloße Prämisse des Romans wird ihn nicht tragen. Anders ausgedrückt: Frauen dürfen kaum sprechen - was machen wir damit? Klar gibt es welche, die das nicht groß stört und sogar welche, die sich offen darüber freuen, logischerweise eher der männliche Teil. Aber auch die betroffenen Frauen gehen teilweise ganz in ihrer Rolle der stummen und fügsamen Hausfrau, Mutter, Kindgebärerin, wie auch immer man es nennen mag, auf, was fast noch erschreckender ist, als die erwartbaren Kommentare misogyner Männer. Die verschiedenen Positionen sind dennoch schnell erzählt, zumindest schneller als in den knapp 400 Seiten, die der Roman umfasst.Umso positiv überraschter war ich, dass sich das Buch in seiner zweiten Hälfte zu einem wirklich packenden und spannenden Thriller mit Politik- und Wissenschaftselementen entwickelt und noch dramatischer und brutaler wird, als es ohnehin schon war."Vox" ist ein Buch wie der sprichwörtliche Verkehrsunfall, bei dem man eigentlich nicht hinsehen will und gar nicht so genau wissen möchte, was passiert ist, der aber dennoch eine grausame Faszination ausübt. Die Autorin Christina Dalcher schreibt in ihrem Nachwort, dass sie hofft, das der Roman zum Nachdenken angeregt und wütend gemacht hat. Beides ist ihr meiner Meinung nach mit diesem nicht einfachen, aber lesenswerten Werk gelungen.