Wir reisen zurück ins Jahr 1985. Es ist Sommer.Zu dem Zeitpunkt war ich 10 Jahre alt und die Autorin hat den Zeitgeist wunderbar beschrieben: Die Klamotten, die Musik, die Mädels und wie sie denken, der ganze Flair aus den 80ern mit Kassettenrecordern und dem ganzen alten Kram - sowas liebe ich sehr!Lauren ist 14 Jahre alt und trifft sich oft mit ihrer besten Freundin Miranda im Wald - beim Geisterbaum; allerdings merkt sie, dass sie sich in letzter Zeit entfremden. Während sie selbst noch an ihrer Kindheit hängt, ist Miranda mit Schminken, Klamotten und Jungs beschäftigt. Solche Freundschaften gehen leider immer wieder auseinander. Wenn die Pubertät ins Spiel kommt und jeder sich anders entwickelt, ob schneller, langsamer oder einfach anders und schließlich werden Wege eingeschlagen, die in unterschiedliche Richtungen führen.Allerdings hat Lauren, auch wenn es ihr weh tut, sehr selbständige und starke Gedanken dazu, was mir richtig gut gefallen hat. Und auch wenn sie mit Miranda nicht mehr so klar kommt, steht sie dennoch hinter ihr und verteidigt sie.Der Wald wirkt von Anfang an mysteriös. Niemand aus dem kleinen Städtchen Smiths Hollow hält sich gerne darin auf - auch wenn Lauren nicht so recht weiß, warum. Sie fühlt sich dort nämlich sehr wohl.Mit ihrem Vater hatte sie ein sehr inniges Verhältnis und er fehlt ihr. Vor einem Jahr wurde er brutal ermordet, in der Nähe des Geisterbaums: weshalb sie sich auch gerne dort aufhält, weil sie sich ihm hier nahe fühlt.Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist wie so oft bei Teenagern nicht wirklich existent bzw. versuchen sie, sich aus dem Weg zu gehen um nicht zu streiten. Man merkt hier sehr gut, wie schwer es beide haben, denn die ganzen Anschuldigungen und Streitereien entstehen eigentlich nur aus eigener Unsicherheit und Angst, und Schuldgefühlen. Gerade wenn man dann nicht darüber spricht, wird es schwer, sich wieder anzunähern.Laurens 10 Jahre jüngerer Bruder David ist ein besonderes Kind. Mit seinen 4 Jahren wirkt er äußerst ernst und ja, geheimnisvoll. Auch wenn das schwierig zu erklären ist; aber dabei bleibt er nicht unnahbar oder gar unheilvoll - sondern eher liebenswert anders als andere.Vor kurzem ist eine mexikanische Familie nach Smiths Hollow gezogen - von der Großstadt Chicago aufs "Land", wo mehr Platz und Ruhe ist. So war es zumindest gedacht; und Alejandro, der bei der Polizei direkt eine Stelle bekommen hat, konnte das nur bestätigen.Dann werden allerdings zwei Leichen gefunden. Die Umstände erschüttern alle und Alex - wie Alejandro genannt wird - muss gegen etwas ankämpfen, mit dem er niemals gerechnet hätte.Da die Perspektiven immer wieder wechseln, erleben wir das ganze aus unterschiedlichen Sichtweisen. Die Figuren sind durchgehend sehr stark in ihrer Rolle und wir haben hier die unterschiedlichsten Charaktere dabei... Menschen die verdrängen, Menschen die über Leichen gehen für ihren Wohlstand, Menschen voller Hoffnungen - und Ängste, Menschen mit Vorurteilen und Mitgefühlen.Das mochte ich sehr, dass man einen guten Einblick in die Geschehnisse bekommt und ein Gesamtbild der kleinen Stadt, ihrer Bewohner und wie die Entwicklungen langsam aus dem Ruder laufen.Die Auflösung des Rätsels, wie die Bewohner von Smiths Hollow damit umgehen und welche Folgen das alles nach sich zieht ist in einem überraschenden Aufbau strukturiert. Das ist etwas schwer zu formulieren, ohne zu spoilern - es hat mich jedenfalls einiges überrascht und ich wusste nicht recht, ob ich das jetzt gut finde oder nicht.Auch hat mir nicht so gefallen wie es sich in der zweiten Hälfte vom logischen her entwickelt. Da waren doch einige Entscheidungen schwer nachzuvollziehen. Je weiter ich dann dem Ende kam, umso konfuser kam mir alles vor und so viele Momente, leider, die mich den Kopf schütteln ließen.Alles wirkte plötzlich zu konstruiert und irgendwie zusammen geflickt. Da hätte man noch so vieles herausholen können, aber das wurde auf dem Weg alles fallen gelassen und zum Ende hin zwar einigermaßen spektakulär, aber für mich nicht spannend umgesetzt. Echt schade!Habe ich am Anfang noch zwischen 4 und 5 Sternen geschwankt, wurden es am Ende immer weniger.Ich bin jetzt echt etwas überfragt was ich davon halten soll. Die Idee ist nicht neu, aber hatte super gute Ansätze und anfangs war ich auch sehr begeistert - aber im Laufe der Geschichte haben viele Entscheidungen keinen Sinn mehr für mich ergeben und einiges an Potenzial wurde verschenkt.Besonders hervorheben möchte ich aber dennoch David, den kleinen Bruder von Lauren, der eine wichtige Rolle spielt und der bis zum Ende einen überzeugenden Part hatte und mein kleiner Held geworden ist :)Witzig fand ich, dass ich einige Parallelen zur ersten Wednesday Staffel gefunden habe - aber das nur so am Rande.