Wenn die Natur spricht und Magie singt, beginnt ein dunkles Spiel aus Angst, Hoffnung und Zusammenhalt.
Mit The Cursed Melodies entwirft Connie Glynn einen atmosphärisch dichten Fantasyroman, der sich deutlich von konventionellen Genreerzählungen abhebt. Im Zentrum stehen die Zwillinge Astrid und Jonas, die seit ihrer Kindheit Stimmen der Natur hören, ohne deren Bedeutung zu verstehen, sowie Gwen, deren Wissen über magische Strukturen im Kontrast zu ihrer Angst vor der eigenen Kraft steht. Die Begegnung dieser Figuren bildet den Ausgangspunkt einer Erzählung, die weniger auf spektakuläre Handlung als auf Stimmung, innere Konflikte und ein organisch gewachsenes Magiesystem setzt.Besonders hervorzuheben ist die Konzeption von Magie als akustisches und emotionales Phänomen. Pflanzen und Bäume fungieren nicht nur als Kulisse, sondern als Träger von Geschichte und Erinnerung. Diese poetische Verknüpfung von Natur, Klang und Macht verleiht dem Worldbuilding eine eigenständige Qualität, die sich bewusst gegen funktionalistische Magiesysteme abgrenzt. Die Magie wirkt dadurch zugleich intim und bedrohlich, was die düstere Grundstimmung des Romans konsequent unterstützt.Erzählerisch arbeitet Glynn mit multiplen Perspektiven, die ein differenziertes Bild der Figuren und ihrer jeweiligen Traumata ermöglichen. Themen wie Ausgrenzung, Verlust, Schuld und Selbstzweifel werden sensibel verhandelt und in den Figurenentwicklungen nachvollziehbar verankert. Besonders überzeugend ist dabei die Darstellung von Zugehörigkeit als Prozess: Die entstehende Wahlfamilie bildet kein harmonisches Ideal, sondern ein fragiles Gefüge, das sich erst durch Konflikte und gemeinsame Gefahren stabilisiert. Queere Identitäten sind dabei selbstverständlich Teil der erzählten Welt und werden nicht problematisiert, sondern als integraler Bestandteil menschlicher Vielfalt dargestellt.Der ruhige, bildgewaltige Stil trägt maßgeblich zur Wirkung des Romans bei, verlangt jedoch auch Geduld. Längere beschreibende Passagen verlangsamen stellenweise das Erzähltempo und können die Spannung dämpfen. Dennoch fügt sich diese Entschleunigung in das Gesamtbild einer Erzählung ein, die Atmosphäre und emotionale Resonanz über Plotdynamik stellt.Insgesamt ist The Cursed Melodies ein poetischer Dark-Fantasy-Roman, der durch seine klanglich gedachte Magie, seine sensiblen Figurenzeichnungen und seine thematische Tiefe überzeugt. Trotz kleiner struktureller Schwächen entfaltet der Text eine nachhaltige Wirkung und positioniert sich als eigenständiger Beitrag innerhalb der zeitgenössischen Fantasy-Literatur.