Lange habe ich auf den Abschluss der Essex-Dogs-Trilogie von Dan Jones gewartet, denn am Ende des zweiten Bandes blieben viele Fragen offen. Irgendwie sind mir diese rauen Gesellen längst ans Herz gewachsen, gerade weil sie keine strahlenden Helden sind, sondern vom Leben gezeichnete Männer, die sich immer wieder durch eine feindliche Welt kämpfen müssen.1348 vor der Küste FrankreichsDie Geschichte beginnt auf der "Katherine" einem Schiff unter englischer Flagge, vor der französischen Stadt Bordeaux, auf dem Schiff befindet sich die Aussteuer der Lieblingstochter Edwards III, die einen Kastilier heiraten soll, um den Frieden zu sichern. Millstone , Thorb und dessen Neffe Rigby sind an Bord, ein paar Wochen auf eine Prinzessin aufzupassen, ist zur Abwechslung einmal ein leichter Job. Doch das Meer vor Bordeaux ist voller Leichen, die Pest wütet in der Stadt und auch Joan ist ihr schon zum Opfer gefallen und damit auch der Frieden.1350 Winchelsea England"Loveday" FitzTalbot ist der stolze Besitzer des "Grünen Löwen" einer heruntergekommenen Kneipe in dem kleinen Ort Winchelsea, hier hat er sich gemeinsam mit Gilda und deren kleinem Sohn ein neues Leben aufgebaut, er ist alt geworden und hat genug vom Kämpfen, der Kampf um seine Existenz ist schwer genug, das Geld ist knapp, die Kneipe marode und kurz vor dem Zusammenbrechen. Als ein Dachdecker ihn mitten in der Arbeit im Stich lässt macht sich Loveday auf der Suche nach Handwerkern auf zum Hafen und trifft auf Richard Large einen Sergeant-at-Arms im Dienste des Königs, dieser verspricht ihm Hilfe doch der Preis dafür ist hoch, wie Loveday noch feststellen wird.Auch Romford hat sich inzwischen weiterentwickelt. Nach all den Problemen und Rückschlägen hat er endlich das erreicht, wonach er sich lange gesehnt hat. Er steht im Dienst eines Ritters. Zwar finanziert er mit seinem eigenen Geld, dessen aufwendigen Lebensstil, doch für Romford ist das ein Preis, den er gern zahlt, denn er lebt endlich seinen Traum. Trotzdem bleibt auch sein Weg alles andere als geradlinig, und schnell wird deutlich, dass er nur ein kleines Rädchen in einem viel größeren und gefährlicheren Spiel ist.Während Loveday versucht, in Winchelsea Wurzeln zu schlagen, bleibt die Welt um ihn herum von Schmuggel, Unsicherheit und dunklen Geschäften geprägt. Gerade in den Hafenstädten blüht das Illegale, denn wo Not herrscht, entstehen schnell neue Abhängigkeiten und Versuchungen. Gleichzeitig wächst die Bedrohung durch die Kastilier. Dan Jones zeigt sehr eindrücklich, wie schnell diplomatische Abmachungen in Gewalt umschlagen können und wie dünn die Schicht aus Ordnung und Sicherheit in dieser Zeit tatsächlich ist.Besonders eindrucksvoll ist dabei der Kontrast zum Hof Edwards III. Dort herrschen Prunk, Machtspiele und eine fast schon erschreckende Dekadenz, während draußen die Menschen mit Hunger, Krankheit und Unsicherheit kämpfen. Diese Gegenüberstellung macht den Roman so lebendig und zugleich so bitter. Jones gelingt es hervorragend, das gesellschaftliche Gefälle dieser Epoche sichtbar zu machen und den Leser mitten in eine Welt zu ziehen, in der Glanz und Elend erschreckend dicht beieinanderliegen.Im Verlauf der Handlung beginnen sich die einzelnen Wege der Figuren wieder zu berühren. Was zunächst nach voneinander getrennten Schicksalen aussieht, entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer neuen gemeinsamen Bedrohung, die die alten Gefährten wieder zusammenführt. Dabei geschieht das nicht aus romantischer Heldenerzählung heraus, sondern aus Notwendigkeit. Denn wenn die Welt um sie herum weiter ins Chaos kippt, bleibt am Ende nur das, was sie schon früher zusammengehalten hat: Erfahrung, Misstrauen, gegenseitige Abhängigkeit und doch auch eine tiefe, stille Loyalität.Gerade darin liegt für mich die besondere Stärke dieses Romans: Dass die Essex Dogs nicht einfach als glorreiche Truppe zurückkehren, sondern als Männer, die vom Leben gezeichnet sind und trotzdem nicht ganz voneinander lassen können. In dieser rohen, ungeschönten Menschlichkeit liegt der eigentliche Kern der Geschichte, und genau deshalb berührt sie so sehr. Und natürlich habe ich auch wieder etwas gelernt, denn das ist eine besondere Stärke des Autors, er macht neugierig auf die wahre Geschichte, jenseits dessen was man vielleicht ansatzweise im Geschichtsunterricht lernt. Dan Jones ist ein Meister darin Fiktion und Realität miteinander zu verbinden und eine kleine Szene am Ende des Buchs macht Hoffnung darauf, das es sich vielleicht doch nicht um das letzte Abenteuer der Essex Dogs handelt.