Die Reihe baut leider weiter ab ¿ Odd hingegen liebenswürdig wie eh und je.
"Schattennacht" war für mich bislang der schwächste Odd-Thomas-Band. Das eingeschneite Kloster fand ich als Setting höchstens in Ordnung, einige der Mönche und Nonnen zwar ganz sympathisch (besonders der mysteriöse Besucher namens Romanovich hatte es mir angetan), allerdings vermisse ich allmählich das beschauliche Pico Mundo sowie dessen liebenswürdig gestaltete Charaktere. Sicher wiederhole ich mich aus meinen anderen beiden Rezensionen, doch war Stormy sterben zu lassen einer von Koontz' größten Fehlern in seiner Karriere als Schriftsteller.Beim dritten Teil der Reihe noch einmal alle Erklärungen über Geister, Bodachs oder Odds treuen Begleiter, den allein für ihn sichtbar umherwandelnden Elvis, runterzuleiern (und das in sehr ähnlichen Worten wie zweimal davor), erachte ich für unnötig, da dies den Lesefluss hin und wieder hemmte. Der Übersetzer blieb in der deutschen Ausgabe übrigens fortlaufend bei "übersinnlichem Magnetismus" statt des "paranormalen Magnetismus" aus Band eins.(SPOILER) Odd begegnete nach ungefähr einem Drittel des Romans einem aus Knochen bestehenden, ihm unbekannten Geschöpf im Schnee, welches seine Gestalt beständig zu wandeln vermochte. Ich wusste nicht so recht, was ich davon halten sollte; wie sich herausstellte, war dieses Wesen jedoch ohnehin keine weitere übersinnliche Erscheinung, die nur Odd wahrnehmen konnte, sondern das Werk eines verrückten, schizophrenen Wissenschaftlers aus dem Kloster, der bei Forschungen auf subatomarer Ebene einen Weg gefunden hatte, einzig durch seine Gedanken Dinge zu manifestieren. Ein wenig erinnerten mich diese Knochengestalten an den Antagonisten aus Koontz' "Phantoms", ohne zu viel dazu verraten zu wollen. (SPOILER ENDE)Am Ende gab es ein kurzes, aber sehr erfreuliches Wiedersehen mit Little Ozzie, ehe angedeutet wurde, dass Odd im nächsten Teil schon wieder irgendwo auf Reisen sein würde. Und Elvis wurde schließlich noch von Frank Sinatra ersetzt, was für einige Fans der Reihe sicher eine Enttäuschung sein dürfte. Mir gaben die Referenzen zu seinem Lebensweg zwar nie viel, da dieser lange vor meiner Zeit vorbei war, doch gehörte Elvis gewissermaßen (wie Stormy) zu der Geschichte dazu - man denke nur an Terri, die Besitzerin des Pico Mundo Grills, die zu jedem Datum seines Lebens eine Anekdote vorzuweisen hat oder den Elvis-Aufsteller in Odds Wohnung.Fazit: Odd bleibt ein außergewöhnlicher, äußerst liebenswürdiger Protagonist, auch wenn es für ihn allmählich Zeit werden könnte, an seinen Grill in Pico Mundo zurückzukehren. Ansonsten fand ich die Handlung eher mittelmäßig - das mag allerdings daran liegen, dass ich mit dem Thema dieses Romans schlicht weniger anfangen konnte als mit dem der anderen.