starker Reihenauftakt, tolle Atmosphäre und beeindruckendes Worldbuilding
Eine fremde Welt, Monster, Magie, fünf Königreiche und eine Mission, die alles verändern kann. "Shield of Sparrows" von Devney Perry entfaltet von Beginn an eine Welt, die sich wirklich ausgesprochen lebendig und durchdacht anfühlt. Aber worum geht es denn überhaupt?! Vor langer Zeit erschufen die Götter die Monster als Mahnung an die Menschen in den fünf Königreichen Calandras, dass sie unbedeutend sind. Ich brauchte keine Gottheit, die mich daran erinnerte, wie machtlos ich war. Eine Prinzessin zu sein, war nie mehr als eine Scharade. Meine Schwester feierte dieses Spektakel, sie sonnte sich in der Aufmerksamkeit und spielte ihre Rolle perfekt. Ich gehörte nie dazu. Bis zum jenem Tag, an dem ein legendärer Monsterjäger in unseren Hafen segelte. Der Tag, an dem ein Prinz in unseren Thronsaal marschierte und mein Leben ruinierte. Der Tag, an dem ich einen Fremden heiratete, ein magisches Abkommen mit meinem Blut unterzeichnete und die weite Reise in das gefährlichste Königreich auf dem ganzen Kontinent antrat. An diesem Tag begriff ich, dass nicht alle Mythen erfunden sind. Dass Legende und Lüge oft eins sind. Und dass wir, wenn die Monster, die wir so fürchten, besiegen wollen, manchmal selbst zu einem werden müssen...Ganz besonders beeindruckt hat mich ja von Anfang an das Worldbuilding. Dichte Wälder voller gefährlicher Kreaturen, rätselhafte Karten, uralte Strukturen und politische Spannungen fügen sich hier nach und nach zusammen und erschaffen eine Atmosphäre, die fast schon greifbar wirkt. Ich hatte beim Lesen wirklich das Gefühl, selbst durch diese Welt zu wandern, ihre Gefahren zu spüren und Stück für Stück ihre Geheimnisse zu entschlüsseln.Odessa als Hauptprotagonistin hat mir hierbei besonders gut gefallen. Sie stellt zwar viele Fragen, aber oft spricht sie eben genau das aus, was ich mich beim Lesen ebenfalls gefragt habe. Obwohl sie ursprünglich nicht auf ihre Rolle vorbereitet ist, wächst sie daran sichtbar und wird zu einer starken, nachvollziehbaren Persönlichkeit mit festem moralischem Kompass. Aus diesem Grund habe ich sie ziemlich schnell gern gehabt.Aber auch die zahlreichen anderen Charaktere haben für mich viel zur Stärke der Geschichte beigetragen. Vor allem der Hüter bleibt im Kopf, denn er ist eine Figur, die gleichermaßen scharfzüngig, sarkastisch und überraschend tiefgründig ist. Evie und Faze hingegen sorgen mit ihrer lockeren, verspielten Art für eine willkommene Leichtigkeit. Kaum jemand ist letztlich aber wirklich das, was er vorgibt zu sein, und genau das macht die vielen verschiedenen Personen so interessant.Die Beziehung zwischen Odessa und dem Prinzen entwickelt sich zudem erstaunlich langsam und ist demnach sehr authentisch. Besonders die Ausgangssituation - eine arrangierte Verbindung zwischen zwei Menschen, die sich kaum kennen - sorgt irgendwie für eine besondere Art von Spannung. Trotz aller Unterschiede ist ihr Umgang miteinander aber erstaunlich harmonisch und von gegenseitigem Verständnis geprägt. Die romantische Entwicklung bleibt dabei dezent im Hintergrund, was für mich sehr gut zur Geschichte gepasst hat.Aber auch in Sachen Action hat das Buch einiges zu bieten. Immer wieder kommt es zu brutalen, blutigen Kämpfen gegen gefährliche Bestien, begleitet von Intrigen und überraschenden Wendungen. Besonders gut gefallen hat mir außerdem, dass sich die Handlung Zeit nimmt. Der Anfang dient beispielsweise dem Aufbau der Welt und der Charaktere, ohne sofort alles preiszugeben. Später nimmt die Geschichte dann deutlich an Tempo auf, und viele Informationen werden Stück für Stück enthüllt. Trotzdem bleiben am Ende immer noch genug Fragen offen, um neugierig auf die Fortsetzung zu machen.Auch die Plot-Twists sind intelligent gesetzt. Rückblickend wirkt vieles durchdacht und gezielt platziert, auch wenn man beim Lesen selbst noch im Dunkeln tappt.Was für mich allerdings besonders heraussticht, ist die Atmosphäre. Oft düster, aber nicht hoffnungslos, spannend, aber nicht überladen. Eine Mischung aus Action, ruhigeren Momenten, Humor und einer Prise Sarkasmus sorgt dafür, dass das Buch nie einseitig wirkt. Alles fühlt sich erstaunlich echt an, ob nun die Welt, die Monster, die Charaktere oder die Konflikte. Ich hatte wirklich das Gefühl, mittendrin zu stehen, durch gefährliche Wälder zu ziehen, Karten zu lesen und Rätsel zu lösen. Die Geschichte ist keine von der schnellen Sorte, aber genau das hat jede Seite für mich so besonders gemacht.Insgesamt ist "Shield of Sparrows" für mich somit ein sehr starker Reihenauftakt, der sich zwar viel Zeit nimmt, seine Welt aufzubauen, dabei aber nie langweilig wird. Dieses Buch hat sich angefühlt wie eine Reise durch eine farbenfrohe und dennoch gefährliche Welt, aus der ich nach der letzten Seite eigentlich noch gar nicht wieder zurück wollte.