Der Titel "Ja, nein, vielleicht" hat mich sofort angesprochen. Er beschreibt dieses Zögern sehr genau, das den Roman durchzieht. Auch das Cover ist außergewöhnlich schön und traumhaft gestaltet, ein echtes Lieblingsbuch für das Regal. Nach einer Lesung mit Doris Knecht in Hamburg im vergangenen September habe ich den Roman nun endlich gelesen.Im Zentrum steht eine Frau, deren Kinder ausgezogen sind. Zum ersten Mal seit Langem stellt sich Ruhe ein, ein gutes Leben zwischen Großstadt und Landleben. Doch kleine Störungen bringen dieses Gleichgewicht ins Wanken. Eine Schwester, die sich in der Wohnung breitmacht, ein Zahn, der Probleme bereitet, und plötzlich ist auch die eigene Endlichkeit präsent. Als die Erzählerin im Supermarkt einem Mann aus ihrer Vergangenheit begegnet, stellt sich erneut die Frage, ob ein erfülltes Leben eine Liebesbeziehung braucht oder ob das Alleinsein nicht längst trägt.Die erste Hälfte des Romans hat mich sehr überzeugt. Die Ich-Erzählerin ist klar, reflektiert und nahbar, ihre Gedanken zu Freiheit und Selbstgenügsamkeit wirken ehrlich und lebensnah. Sprachlich ist der Roman eine große Freude. Doris Knecht schreibt mit viel Humor, Ironie und Sarkasmus. Ich musste häufig schmunzeln und erinnerte mich an das Lachen bei der Lesung. Auch Freundschaft nimmt einen wichtigen Platz ein, als verlässlicher Gegenpol zur romantischen Liebe.In der zweiten Hälfte verliert der Roman für mich etwas an Tiefe. Die Erzählerin wird weniger greifbar, die Spannung lässt nach. Dennoch bleibt Ja, nein, vielleicht ein kluger, sprachlich starker Roman über das Leben als Frau und über die Frage, wie viel Nähe ein gutes Leben braucht.Fazit:3,5/5 ¿¿Ein klug beobachteter, sprachlich brillanter Roman, der trotz kleiner Schwächen zum Nachdenken über Liebe, Freiheit und Selbstgenügsamkeit anregt.