Für mich bis heute ein Brett...- das Buch, das mich damals endgültig in die Pandergast-Reihe reingezogen hat.
Ich hab "Relic" angefangen und ziemlich schnell gemerkt: Das wird eine lange Nacht, weil man nicht gut aufhören kann. Das Naturkundemuseum in New York steht kurz vor einer großen Ausstellung, und im Haus ist richtig Druck drauf. Termine, Geld, Öffentlichkeit, intern knirscht es. Nach außen soll alles glänzen, hinter den Kulissen wird's hektisch.Dann passieren Vorfälle, die das Ganze kippen lassen. Im Museum gibt es Tote. Die Spuren sind merkwürdig und passen nicht zu einem normalen Täterbild. Genau das macht es so unangenehm, weil man als Leser früh merkt: Hier ist etwas im Gebäude, das keiner so richtig greifen kann. Und weil die Ausstellung kurz bevorsteht, wird viel zu lange gebremst und abgewiegelt. Das Museum läuft weiter Richtung Eröffnung, während im Hintergrund die Gefahr wächst. Je näher dieser Termin rückt, desto enger wird's im Haus, weil immer mehr Leute da sind und immer weniger Spielraum bleibt.Was das Buch für mich so stark macht, sind die Figuren. Die tragen das nicht nur irgendwie, die haben alle eine klare Art, und genau daraus kommt ein großer Teil der Spannung.Margo Green ist als Wissenschaftlerin die, die das Museum von innen zeigt. Sie ist klug, neugierig und hartnäckig. Sie lässt sich nicht mit schnellen Antworten abspeisen und wühlt sich durch Hintergründe, Sammlungen und Zusammenhänge, bis klar wird, dass das Problem tiefer sitzt als ein einzelner Vorfall. An ihr mag ich, dass sie nicht nur reagiert, sondern wirklich sucht und dranbleibt, auch wenn's riskant wird.Vincent D'Agosta ist der bodenständige Ermittler, der versucht, aus dem Chaos etwas Greifbares zu machen. Der steht ständig unter Druck, soll Ergebnisse liefern, muss Entscheidungen treffen, und gleichzeitig passt das alles nicht sauber in sein normales Täterdenken. Er wirkt nicht überzogen cool, sondern wie jemand, der seinen Job ernst nimmt und sich nicht wegdreht, wenn es unbequem wird. Genau deshalb fiebert man mit ihm mit, weil man merkt, wie ihm die Sache entgleitet und er trotzdem dran bleibt.Und dann kommt Aloysius Pendergast ins Spiel, hier ja als Einführung. Der ist sofort besonders. Kontrolliert, höflich, geschniegelt, ruhig. Der muss keinen Raum vollquatschen, der reicht mit Blicken, Fragen und dieser Art, dass er alles registriert. Er beobachtet Menschen genauso wie Spuren, und du hast schnell das Gefühl, der denkt schon ein paar Schritte weiter. Dazu kommt dieses Geheimnisvolle: Er zeigt nie alles, was er weiß oder was er im Kopf sortiert. Das macht ihn so faszinierend, weil du nach ein paar Seiten schon merkst, dass du mehr über ihn wissen willst. Bei mir war da damals endgültig klar: Danach brauche ich die nächsten Bücher.Im Verlauf wird das Museum selbst immer mehr zur Falle. Keller, Depots, nichtöffentliche Bereiche, lange Wege, abgesperrte Zonen. Du siehst das beim Lesen vor dir, und je weiter es geht, desto mehr zieht das Tempo an. Irgendwann kippt die Lage komplett, und ab da liest du nicht mehr gemütlich, da hängst du drin.Für mich ist "Relic" deshalb eines meiner Lieblingsbücher geblieben: starkes Setting, Figuren mit Charakter, dauerhafte Spannung und richtiges Kopfkino. Und ja, das war bei mir der Startschuss, die ganze Pandergast-Reihe zu suchten.Euer Seitenfresser Michael a.k.a. Maik L.