Mit Falling Like Snow erzählt Erin Doom eine emotionale Coming-of-Age-Geschichte, die weit mehr ist als eine klassische Romance. Was auf den ersten Blick wie ein bekanntes Trope wirkt, entpuppt sich schnell als feinfühliger Roman über Trauer, Identität und die Suche nach einem neuen Zuhause.
Im Mittelpunkt steht Ivy, die nach dem Tod ihres Vaters ihre vertraute Welt in Kanada hinter sich lassen muss. Die Kälte, die Stille und die Weite des Nordens werden eingetauscht gegen Sonne, Lärm und ein völlig fremdes Leben in Kalifornien bei ihrem Patenonkel und dessen Sohn Mason. Dieser Ortswechsel ist mehr als nur Kulisse: Der starke Kontrast zwischen Schnee und Hitze spiegelt Ivys innere Zerrissenheit wider und zieht sich atmosphärisch durch die gesamte Geschichte.
Ivy ist eine leise, verletzliche, aber bemerkenswert starke Protagonistin. Ihre Trauer ist allgegenwärtig, ohne je pathetisch zu wirken. Erin Doom beschreibt Ivys Gefühle mit einer fast poetischen Klarheit, die berührt, ohne zu beschweren. Immer wieder stellt sich die zentrale Frage: Was bedeutet Zuhause eigentlich? Ein Ort, ein Mensch oder ein Gefühl, das man erst neu lernen muss?
Mason begegnet Ivy zunächst mit deutlicher Ablehnung. Er ist verschlossen, abweisend und trägt selbst alte Wunden mit sich herum. Seine Entwicklung braucht Zeit und genau das macht sie glaubwürdig. Die Annäherung zwischen Ivy und Mason ist kein romantischer Sprint, sondern ein langsames, oft schmerzhaftes Vorantasten. Mal leise, mal explosiv, manchmal auch kindlich, aber stets altersgerecht und emotional nachvollziehbar.
Neben der Liebesgeschichte überrascht der Roman mit einem spannenden Subplot. Ivys Vater war ein angesehener Technologieentwickler, und mit seinem Tod geraten Dinge in Bewegung, die Ivy in Gefahr bringen. Rätselhafte Andeutungen, versteckte Hinweise und eine wachsende Bedrohung sorgen für zusätzliche Spannung, die man in dieser Form nicht unbedingt erwartet hätte. Auch wenn dieser Teil stellenweise sehr dicht erzählt ist, fügt er der Geschichte eine interessante, dunklere Ebene hinzu.
Der Schreibstil ist dabei eine der größten Stärken des Buches: ruhig, klar und zugleich sehr bildhaft. Viele Passagen wirken fast wie Momentaufnahmen, die man noch lange nach dem Lesen im Kopf behält. Manche dramatischen Zuspitzungen sind bewusst intensiv gesetzt und könnten je nach persönlichem Geschmack etwas zu viel wirken, doch sie fügen sich insgesamt stimmig in die emotionale Welt der Figuren ein.
Fazit:Falling Like Snow ist ein überraschend tiefgehender Einzelband über Verlust, Heilung und die leisen Wege zurück ins Leben. Erin Doom verbindet eine zarte Liebesgeschichte mit Themen wie Trauerbewältigung, Selbstfindung und Hoffnung atmosphärisch dicht, emotional ehrlich und mit mehr Spannung, als man zunächst vermuten würde. Eine Geschichte, die sich langsam entfaltet, unter die Haut geht und noch eine Weile nachhallt. Eine klare Empfehlung für alle, die gefühlvolle Romane mit Tiefe lieben.