Geschichte der Welt 1945 bis heute

Die globalisierte Welt.
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Mit dem Band Die globalisierte Welt seit 1945 wird die große, auf insgesamt sechs Bände angelegte Geschichte der Welt fortgesetzt. Die Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, also die unmittelbare Vorgeschichte unserer Gegenwart, setzt den Trend z

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Produktdetails

Titel: Geschichte der Welt 1945 bis heute

EAN: 9783406641169
Format:  EPUB
Die globalisierte Welt.
Herausgegeben von Akira Iriye, Jürgen Osterhammel
Übersetzt von Andreas Wirthensohn, Thomas Atzert
Beck C. H.

30. Oktober 2013 - epub eBook - 955 Seiten

Beschreibung

Mit dem Band Die globalisierte Welt seit 1945 wird die große, auf insgesamt sechs Bände angelegte Geschichte der Welt fortgesetzt. Die Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, also die unmittelbare Vorgeschichte unserer Gegenwart, setzt den Trend zur transnationalen Vernetzung der Welt fort, den bereits der Vorgängerband für die Jahre von 1870 bis 1945 beschrieben hatte.
Die Weltpolitik im Zeichen des Kalten Krieges, die ökonomische Globalisierung, der dramatische Wandel der Erde mit einer Verdoppelung und dann Verdreifachung der Weltbevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte sowie einer explosionsartigen Zunahme aller Arten von Umweltbelastungen bis hin zur Klimaerwärmung und Reaktorkatastrophen, die Herausbildung einer globalen Kulturgemeinschaft bei gleichzeitiger, teilweise offensiv behaupteter Diversität - all diese Megatrends der Weltgeschichte seit 1945 sind Gegenstand dieses ungewöhnlich reichen und neue Perspektiven eröffnenden Bandes.

Mit Beiträgen von Peter Owen Engelke, Petra Goedde, Akira Iriye, Wilfried Loth, John R. McNeill und Thomas W. Zeiler.

Inhaltsverzeichnis

1;Cover;1 2;Titel;3 3;Impressum;6 4;Inhalt;7 5;Einleitung;9 6;Staaten und Machtbeziehungen im Wandel;15 6.1;Einleitung;16 6.1.1;1. Umwälzungen der Nachkriegszeit;29 6.1.2;2. Ein globaler Kalter Krieg;70 6.1.3;3. Neue Akteure in der Weltpolitik;118 6.1.4;4. Eine neue Weltordnung;158 7;Offene Türen in der Weltwirtschaft;183 7.1;Einleitung;184 7.1.1;1. Geschlossene Türen;188 7.1.2;2. Geschlossene und unverschlossene Türen;229 7.1.3;3. Die Türen öffnen sich;272 7.1.4;4. Offene Türen;318 8;Mensch und Umwelt im Zeitalter des Anthropozän;357 8.1;Einleitung;358 8.1.1;1. Energieverbrauch und Bevölkerungsentwicklung;365 8.1.2;2. Klima und biologische Vielfalt;414 8.1.3;3. Städte und die Wirtschaft;446 8.1.4;4. Kalter Krieg und Umweltkultur;491 9;Globale Kulturen;535 9.1;Einleitung;536 9.1.1;1. Kulturen des Kalten Krieges;541 9.1.2;2. Menschen und Güter in Bewegung;558 9.1.3;3. Infragestellung kultureller Normen;585 9.1.4;4. Menschenrechte und Globalisierung;642 10;Die Entstehung einer transnationalen Welt;671 10.1;Einleitung;672 10.1.1;1. Transnationalismus der Nachkriegszeit;684 10.1.2;2. Die Transnationalisierung der Menschheit;716 10.1.3;3. Ebenen des Transnationalismus;757 10.1.4;4. Das 21. Jahrhundert;796 11;Anhang;827 11.1;Anmerkungen;829 11.2;Bibliographie;893 11.3;Abbildungsnachweis;923 11.4;Register;925 12;Zum Buch;955 13;Über die Autoren und Herausgeber ;956


Portrait

Peter Engelke ist Senior Fellow am Atlantic Council in Washington, D.C. In seiner Forschungsarbeit beschäftigt er sich vor allem mit langfristigen globalen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf die Geopolitik, auf Global Governance und Sicherheit, auf die wirtschaftliche Entwicklung und die ökologische Stabilität. Zu seinen Veröffentlichungen zählt u.a. Health and Community Design. The Impact of the Built Environment on Physical Activity (zusammen mit Lawrence D. Frank und Thomas L. Schmid, 2003).

Petra Gödde ist Associate Professor of History an der Temple University. Zu ihren Spezialgebieten zählen die Auslandsbeziehungen der USA, transnationale Kultur- und Geschlechtergeschichte. Sie veröffentlichte u.a. GIs and Germans. Culture, Gender, and Foreign Relations, 1945-1949 (2003), The Human Rights Revolution. An International History (hg. zusammen mit Akira Iriye und William I. Hitchcock, 2012) sowie das Oxford Handbook of the Cold War (hg. zusammen mit Richard H. Immerman, 2013).

Akira Iriye hatte bis zu seiner Emeritierung die Charles Warren Professur für Geschichte an der Harvard University inne. Als Pionier auf dem Feld der transnationalen Geschichte hat er vor allem über amerikanische Diplomatiegeschichte und die Beziehungen zwischen den USA und Asien geforscht. Zu seinen Veröffentlichungen zählen China and Japan in the Global Setting (1992), Cultural Internationalism and World Order (1997), Global Community. The Role of International Organizations in the Making of the Contemporary World (2002) und Global and Transnational History. The Past, Present, and Future (2012).

Wilfried Loth ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Duisburg-Essen. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Geschichte Europas im 19. und 20. Jahrhundert, die internationalen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg sowie die Geschichte des Kalten Krieges und der europäischen Integration. Unter anderem veröffentlichte er Stalins ungeliebtes Kind. Warum Moskau die DDR nicht wollte (1994), Helsinki, 1. August 1975. Entspannung und Abrüstung (1998), Die Teilung der Welt. Geschichte des Kalten Krieges 1941-1955 (2002) und Dimensionen internationaler Geschichte (hg. zusammen mit Jost Dülffer, 2012)

J. R. McNeill ist Professor an der Georgetown University, wo er Umwelt- und Weltgeschichte lehrt. Er veröffentlichte unter anderem Something New Under the Sun (2000, dt. Blue Planet. Die Geschichte der Umwelt im 20. Jahrhundert), The Human Web. A Birds-Eye View of World History (gemeinsam mit William H. McNeill, 2003) und Mosquito Empires. Ecology and War in the Greater Caribbean, 1620-1914 (2010).

Jürgen Osterhammel ist Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz und Träger des Gottfried Wilhelm Leibniz-Preises. 2012 erhielt er den Gerda-Henkel-Preis. Sein Buch Die Verwandlung der Welt. Eine Geschichte des 19. Jahrhunderts (52.010) hat auch international starke Beachtung gefunden. Im Verlag C.H.Beck erschien zuletzt: Jan Jansen/Jürgen Osterhammel, Dekolonisation (2013).

Thomas W. Zeiler ist Professor für Geschichte an der University of Colorado in Boulder. Er ist Experte für die Themenbereiche US-Diplomatie und Globalisierung und Chefredakteur der Zeitschrift Diplomatic History. Zu seinen Buchveröffentlichungen gehören Globalization and the American Century (2003) und Annihilation. A Global Military History of World War II (2011).

Leseprobe

EINLEITUNG


Akira Iriye

«Außerdem sollte ein Buch, wie jedes andere Werk, von seiner These zusammengehalten werden. Ein Buch, das aus den Essays verschiedener Autoren besteht, ist daher als Ganzes eher weniger interessant als das Buch eines Einzelnen.» Bertrand Russell hatte ohne jeden Zweifel recht, als er in seiner Autobiographie unmittelbar vor dem eingangs zitierten Satz schrieb: «Aber meiner Meinung nach kann ein Mensch ohne Tendenz keine interessante Geschichte schreiben – wenn es wirklich einen solchen Menschen gibt.» Als Historiker haben alle Beiträger dieses Bandes ihren Standpunkt oder ihre «Tendenz», wie der Philosoph es formuliert. Aber ich hoffe natürlich, ihre Standpunkte sind nicht so unterschiedlich, dass dies den Band weniger interessant macht, als wenn er von einer Hand geschrieben wäre. Tatsächlich wird der Leser schon bald merken, dass die Beiträger einiges gemeinsam haben. Erstens wollen sie alle einen frischen Blick auf die «Zeitgeschichte» werfen, also auf die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Zweitens sind wir alle der Überzeugung, dass sich diese Geschichte – wie eigentlich die Geschichte jeder Epoche – nur im globalen Kontext und nicht im Rahmen eigenständiger National- oder Regional geschichten begreifen lässt.

Drittens, und das ist uns besonders wichtig, sind wir der Ansicht, dass diese Globalgeschichte aus zahlreichen Schichten oder Ebenen besteht, die sich normalerweise nicht überlappen, aber trotzdem miteinander verbunden sind. Da gibt es die Geschichte der Welt, die sich auf der Ebene einzelner Staaten abspielt, ob nun jeweils für sich oder im Kollektiv. Für die Zeit nach 1945 wurde diese Geschichte zumeist im Rahmen des Kalten Krieges betrachtet, doch wie die folgenden Kapitel zeigen, gab es viele andere nationale und internationale
Entwicklungen, die in den Blick rücken müssen, wenn man die jüngste Geschichte wirklich verstehen will. Parallel zu dieser im Wesentlichen geopolitisch bestimmten Ebene entwickelten andere Bereiche ihre jeweils ganz eigene Dynamik. Da war zum einen die Öko nomie und zum anderen die Kultur, wo nationale Einheiten als Bezugsgrößen weniger wichtig waren als Waren, Kapital, Ideen sowie andere Produkte und Betätigungen in verschiedenen Teilen der Welt. All diese Ebenen überlappten sich gelegentlich und verschmolzen mitunter sogar miteinander, aber jede wies ihre eigene Geschichte, Chronologie und Agenda auf. Eine gänzlich andere Ebene stellte der natürliche Lebensraum dar, den die Menschen mit Tieren, Pflanzen, Wasser, Luft und anderen physischen Dingen teilten.

Keine dieser Ebenen beanspruchte dauerhaft eine privilegierte Stellung für sich. Es gab bestimmte Phasen, in denen dezidiert nationale Fragen oder die internationalen Beziehungen das Leben der Menschen bestimmten, während zu anderen Zeiten die Launen transnationaler wirtschaftlicher oder kultureller Faktoren ihr Dasein beeinflussten, wohingegen sich die menschliche Umwelt mit ihrer eigenen, für Menschen schwer vorhersehbaren Art auf alle menschlichen «Lebensfahrpläne» auswirkte. Geschichte ist die Gesamtheit und das Ergebnis all dieser Aktions- und Interaktionsebenen. Das erinnert an den amerikanischen Künstler Robert Motherwell (1915–1991), der von seinen Gemälden einmal sagte, sie würden aus Bewusstseinsschichten bestehen. Auch Historiker versuchen zu zeigen, dass es zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Vielzahl an Themen und Entwicklungen gab, und hoffen, dass sich der Leser dadurch bewusst wird, wie reichhaltig die menschliche Erfahrung – und die menschliche Interaktion mit dem physischen Universum – ist, ohne damit aber zu suggerieren, eine Ebene oder Bedeutung allein sei für das Lebe
n der Menschen maßgeblich.

Das heißt freilich nicht, dass in den Kapiteln dieses Buches einfach nur verschiedene Themen ohne Schwerpunkt – sieht man vom übergreifenden Bezugsrahmen der Globalgeschichte einmal ab – präsentiert werden. Die Darstellung der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg zeigt vielmehr eines ganz deutlich: ein bis dahin nicht gekanntes Maß an grenzüberschreitenden Interaktionen zwischen Menschen, ihren Gemeinschaften, Ideen und Gütern, mit der Folge, dass die Schicksale von Nationen, Zivilisationen, Individuen und der natürlichen Umwelt eng miteinander verknüpft waren, ob nun im politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen oder kulturellen Bereich.

Wie Band 5 dieser Geschichte der Welt gezeigt hat, wurde die Welt zwischen 1870 und 1945 immer transnationaler, auch wenn die Nationen weiterhin machtvoll präsent waren. Diese Entwicklung setzte sich nach 1945 fort. Ein zentraler Unterschied zwischen diesen beiden Epochen globaler Transformation besteht freilich darin, dass in ersterem Zeitraum technische Innovationen und ökonomische Transaktionen zwar alle Winkel dieser Erde in engen Kontakt miteinander brachten, gleichzeitig aber die Welt in anderer Hinsicht noch nie so rigide geteilt war: in Kolonisatoren und Kolonialisierte, in Kapital und Arbeit, in Weiße und Farbige, in den Westen und in den Nicht-Westen, in «Zivilisierte» und «Unzivilisierte», schließlich in die «Großmächte» und die schwächeren Staaten. Oder anders gesagt: Die Transnationalisierung erfolgte in zweifacher Form, einmal in Richtung Einheit der Menschheit und einmal in Richtung Spaltung.

Im Gegensatz dazu hat sich die Welt seit 1945 in eine Reihe miteinander verknüpfter Beziehungen verwandelt, sodass die Kluft zwischen menschlicher Einheit und Spaltung – wenn auch niemals zur Gänze – überwunden wur
de. War die globale Transformation früher vor allem durch die im Westen entwickelte moderne Technik und Ideologie vorangetrieben worden, so waren nunmehr im Wortsinne Millionen von Individuen und Menschengruppen an diesem Prozess beteiligt, in dessen Zuge viele der bestehenden Trennmauern niedergerissen wurden. Länder und Völker in nichtwestlichen Teilen der Welt haben aktiv Geschichte geschrieben und sich nicht einfach nur in eine westlich geprägte Welt eingefügt. In der Folge ist ein stärkeres «Menschheitsgefühl» entstanden, selbst wenn sich die Menschen ihrer Vielfalt deutlicher bewusst wurden. Ob die Menschheit unter diesen Umständen in der Lage ist, ihr Schicksal zu meistern, ein Schicksal, das heute eng mit der natürlichen Umwelt verbunden ist, wird die zentrale Frage des 21. Jahrhunderts sein.

Mit diesen und verwandten Themen befassen sich die folgenden Kapitel aus verschiedenen Perspektiven. Zunächst gibt Wilfried Loth einen Überblick über die internationale Politik nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Europa, doch auch die Entwicklungen in anderen Teilen der Welt werden gründlich analysiert. Der Übergang von der Allianz gegen die Achsenmächte, die den Krieg gewann, zur Gegnerschaft zwischen den USA und der UdSSR lässt sich auf einer Ebene als traditionelle geopolitische Geschichte der Rivalität zwischen Großmächten erzählen, doch wie der Autor zeigt, hatte der Kalte Krieg noch unzählige andere Dimensionen. Das hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass viele Weltregionen, die bislang außerhalb des Großmachtdramas standen, ihre Unabhängigkeit erlangten und damit immer selbstbewusster auftraten. Anders gesagt: Weltpolitik wurde, was ihre Reichweite angeht, globaler denn je.

Die Schlüsselfrage jeder Darstellung des Kalten Krieges lautet natürlich, warum er «kalt» blieb
und sich nicht zu einem dritten Weltkrieg entzündete. Wilfried Loth bietet in dieser Frage eine ganz neue Perspektive: Seiner Ansicht nach lief die Beziehung zwischen Washington und Moskau nicht von Anfang an zwangsläufig auf einen wechselseitigen Antagonismus hinaus, vielmehr führten eine Reihe von unglücklichen Aktionen, Missverständnissen und Fehleinschätzungen dazu, dass man die Weltpolitik in erster Linie unter dem Gesichtspunkt der bipolaren Auseinandersetzung betrachtete. Beiden Seiten kam es zudem aus innenpolitischen Gründen zupass, die Krise zu verschärfen. Ob militärische Aufrüstung, politische Einheit oder eine bestimmte Wirtschaftsstrategie – all das konnte im Namen nationaler Sicherheit vorangetrieben werden. Wie sich zeigte, gelang es dieser Bipolarität trotzdem ungleich besser, einen Krieg zu vermeiden, als den Großmächten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Andererseits kam es lokal zu gewaltsamen Zusammenstößen in Korea, Vietnam, Südasien, dem Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika, die letztlich genauso viele Menschenleben forderten wie der Zweite Weltkrieg. Loth analysiert jeden dieser Konflikte und geht dabei vor allem auch auf die jeweiligen Ursachen und Folgen ein.

Während der Kalte Krieg die Welt immer wieder spaltete, beförderten die ökonomischen Kräfte nach 1945 die gegenteilige Entwicklung. Der Frage, wie sich die globale wirtschaftliche Vernetzung entwickelte, geht Thomas W. Zeiler in Kapitel 2 nach. Er betont dabei vor allem die Rolle der USA, die in Handelsangelegenheiten, bei Investitionen und bei verwandten Transaktionen ein offenes, vernetztes System propagierten, was schließlich eine vollständige ökonomische Globalisierung zur Folge hatte. Diese Politik stand häufig, aber nicht immer im Zusammenhang mit der amerikanischen Strategie des Kalten Krieges, nämlich die relat
ive...


Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 07.04.2014

Plastikdreck toppt Müllfleck
Ein breites und vielgestaltiges Panorama unserer widersprüchlichen Welt seit dem Jahr 1945

Weltgeschichte hat Konjunktur. Für eine Gegenwart, die sich ökonomisch zusehends dichter vernetzt und in der immer mehr Menschen grenzüberschreitend unterwegs sind, liegt es nahe, auch die Vergangenheit jenseits nationaler oder regionaler Beschränkungen zu erkunden. Das war schon vor über hundert Jahren so, als die zunehmend enge weltpolitische und wirtschaftliche Verflechtung im Zeitalter des Hochimperialismus ein intensiviertes Bewusstsein für globale Zusammenhänge schuf. Dennoch blieben damals Universalhistoriker wie Karl Lamprecht mit ihrer Suche nach positivistisch untermauerten weltgeschichtlichen Entwicklungsgesetzen Außenseiter innerhalb der historischen Zunft. Heute sind die Welthistoriker in der Mitte ihres Faches angekommen. Wenn es dafür noch eines Beweises bedarf, liefert ihn die von dem Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel und dem emeritierten Harvard-Professor Akira Iriye herausgegebene Reihe "Geschichte der Welt".

Wie der 2012 erschienene Vorgängerband über die Zeit der Weltmärkte und Weltkriege zwischen 1870 und 1945, ist auch der von Iriye verantwortete Band über die globalisierte Welt der Nachkriegszeit das Werk mehrerer Verfasser. Die sechs Autoren stehen für unterschiedliche Zugänge zur Weltgeschichte. Wilfried Loth behandelt Staaten und Machtbeziehungen im bewährten Stil der Politikgeschichte. Thomas W. Zeiler nimmt vor allem den Welthandel in den Blick. John R. McNeill und Peter Engelke haben einen ebenso fulminanten wie beunruhigenden Beitrag über die Umweltzerstörung im "Zeitalter des Anthropozän" seit dem 18. Jahrhundert verfasst. Petra Gödde analysiert luzide das paradoxe Zusammenspiel weltweiter Vereinheitlichung von Verhaltensstandards, Werten und Rechten einerseits und der immer stärkeren Betonung kultureller Differenzen andererseits. Der Herausgeber schließlich widmet sich der Entstehung dessen, was er eine "transnationale Welt" nennt.

Alle Autoren eint die Überzeugung, dass sich Geschichte nur noch im globalen Maßstab und nicht mehr im Kontext einzelner National- oder Regionalgeschichten schreiben lässt. Dennoch setzen sie unterschiedliche geographische Akzente. Loths Geschichte der internationalen Politik, die für Kenner seiner früheren Werke zum Kalten Krieg wenige Überraschungen bietet, ist um Europa zentriert. In Zeilers Beitrag dominiert die amerikanische Perspektive. Iriye ist ein hervorragender Kenner sowohl der Vereinigten Staaten von Amerika als auch Ostasiens. Gödde schenkt darüber hinaus auch Lateinamerika und Afrika besondere Aufmerksamkeit. McNeill und Engelke beziehen auch die Weltmeere ein. Sie berichten etwa, wie sich der in den Ozeanen treibende Plastikdreck der Menschheit strudelförmig verdichtet. Ein besonders großer schwimmender Müllfleck bedeckt im Pazifik zwischen Hawaii und Kalifornien eine Fläche, die doppelt so groß ist wie Texas.

Die Globalität der Beiträge erstreckt sich nicht nur auf ihre geographische Reichweite, sondern auch auf methodische Vielfalt. Pluralität der Blickrichtungen ist Programm. An die Stelle der Genealogie, die wir aus der klassischen Nationalhistorie gewohnt sind, treten ein der Computertechnologie entlehntes Denken in Netzwerken und die Vielstimmigkeit miteinander konkurrierender Geschichten. Einen alle Beiträge durchziehenden roten Faden sucht man vergeblich. Es sei denn, man ließe als Leitmotiv die Feststellung des Herausgebers gelten, "dass Männer, Frauen und Kinder, die Räume, die sie bewohnen, sowie Tiere und Pflanzen allesamt interdependente, auf vielfache Weise miteinander verbundene Lebewesen sind".

Was in der Abstraktion banal klingt, kann in der Konkretion durchaus erhellend sein. Etwa wenn McNeill und Engelke darlegen, wie in der Volksrepublik China während Maos "Großem Sprung nach vorn" zur Steigerung der Getreideproduktion fast zwei Milliarden Sperlinge getötet wurden, weil sie Körner pickten und so die Ernte verminderten. Als unbeabsichtigte Konsequenz der Spatzenjagd vermehrten sich bestimmte Raupen- und andere Insektenarten, die nun keine natürlichen Feinde mehr hatten. Die Schädlinge befielen zahllose Getreidespeicher und verschärften die vermutlich größte Hungerkatastrophe, die jemals von Menschen ausgelöst wurde. Am Ende fielen ihr zwischen 15 und 50 Millionen Chinesen zum Opfer.

Die kommunistische Seite im Kalten Krieg besaß kein Monopol auf desaströse Eingriffe ins Ökosystem, wie McNeill und Engelke am Beispiel der amerikanischen Entlaubungsangriffe im zweiten Indochina-Krieg zeigen. Mit Hilfe von Planierraupen und Chemikalien zerstörten amerikanische Truppen in Vietnam knapp ein Viertel des tropischen Regenwalds. Nach Angaben der vietnamesischen Regierung leiden bis heute vier Millionen Menschen unter den Folgen der eingesetzten Pflanzengifte. Zwar konstatieren die beiden Autoren auch gegenläufige Trends wie die Entstehung einer weltweiten Umweltschutzbewegung, die einer fortschreitenden Vernichtung natürlicher Lebenswelten Einhalt zu gebieten versucht. Dennoch endet ihr Kapitel pessimistisch: Die Nachkriegsvision eines unendlichen ökonomischen Wachstums und eines schrankenlosen technologischen Fortschritts bleibe bis heute intakt, "wenn nicht gar ohne echten Gegenpart".

Einen Kontrapunkt zum düsteren Szenario der Umweltgeschichte bietet Akira Iriye. Sein Beitrag ist weniger eine wissenschaftliche Untersuchung als ein Plädoyer für die Überwindung nationaler Vorurteile. Die Entgrenzung zwischenmenschlicher Beziehungen, so die Botschaft, habe seit 1945 "das Gefühl eines gemeinsamen Menschseins" befördert. Bei ihm stehen - ähnlich wie bei Petra Gödde und anders als bei der alten Universalgeschichte à la Lamprecht - nicht voneinander abgrenzbare Idealtypen bestimmter Kulturen im Zentrum. Er interessiert sich für Verschmelzungen, Überlappungen, Interaktionen. "Hybridität" lautet ein wichtiges Schlagwort.

Migration, Konsum und Massentourismus treiben in dieser Lesart den Prozess der Transnationalisierung unaufhaltsam voran. Iriye leugnet nicht, dass die Globalisierung etwa in Form grenzüberschreitender Kriminalität auch negative Begleiterscheinungen mit sich bringt. Aufs Ganze gesehen überwiegen für ihn jedoch positive Aspekte. Er findet sie auch dort, wo man es nicht vermuten würde. Das Ende des Kalten Krieges führt er nicht auf Reagans Hochrüstung oder den Gorbatschow-Faktor zurück, sondern auf die Erkenntnis, dass die Herausforderungen der Zukunft - etwa bei Umweltkatastrophen wie dem Reaktorunfall von Tschernobyl - nur in transnationaler Gemeinsamkeit zu meistern seien. In der jüngsten Weltwirtschafts- und Finanzkrise war aus seiner Sicht nicht die Bedrohung durch einen kaum noch zu zügelnden digitalen Finanzkapitalismus entscheidend, sondern die international halbwegs koordinierten Reaktionen auf den Crash. Anders als in der Großen Depression der 1930er Jahre seien transnationale Verbindungen und Netzwerke nicht zerrissen, sondern gestärkt worden.

Nicht zufällig endet der Band mit der Wahl Barack Obamas zum amerikanischen Präsidenten. In diesem Sohn "gemischtrassiger" Eltern, der in Indonesien zur Schule ging, an amerikanischen Elite-Universitäten studierte und sich in Chicago für kommunale Sozialprojekte engagierte, sieht Iriye ein "transnationales Individuum", das die prägenden Tendenzen seiner Zeit verkörpert - egal wie durchwachsen die Bilanz seiner Präsidentschaft am Ende ausfallen mag. Auch wenn der unvermittelte Kontrast von ökologischer Zivilisationskritik und transnationaler Zukunftshoffnung den Leser ein wenig ratlos macht, entwerfen die Beiträge des Bandes doch ein eindrucksvoll breites und vielgestaltiges Panorama unserer widersprüchlichen Welt in den vergangenen siebzig Jahren.

DOMINIK GEPPERT

Akira Iriye (Herausgeber): Geschichte der Welt 1945 bis heute: "Die globalisierte Welt." C. H. Beck Verlag, München 2013. 955 S.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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