Eine 16jährige, eine Witwe und ein IT-Nerd helfen einem elfjährigen Jungen, dessen Mutter depressiv ist. Das Buch hat mich berührt.
Überlebensstrategien von Gudrún Eva Mínvervudóttir, aus dem Isländischen von Anika Wolff ist ein dünnes Büchlein mit 220 Seiten, das ich in wenigen Stunden durchgelesen habe. Das Schicksal der vier Protagonist*innen in einem kleinen Ort bei Reykjavík hat mich berührt.Hanna, 16, ist mit ihrer Mutter aus Reykjavík weggezogen und verbringt die Sommerferien größtenteils im Ferienhaus eines Bekannten der Mutter.Árni ist IT-Spezialist. Auch er hat Reykjavík verlassen, nachdem er wegen Depressionen seinen Job verloren hatte. Mit dem Labradorwelpen Alfons erkundet er auf langen Spaziergängen die Gegend um sein neues Haus. Nebenbei hilft er einer Freundin bei ihrer Website, über die sie selbstgemachten Lederschmuck verkauft. Er wäre gern mehr als ein Freund für sie.Aron, 11, lebt in Àrnis Nachbarschaft. Seine Mutter ist depressiv und verlässt nur selten das Haus. Borghildurs Mann ist vor wenigen Monaten plötzlich verstorben. Sie vermietet ein paar Ferienhütten und lernt Aron kennen, als er vor ihrem Grundstück mit dem Fahrrad in den Graben fällt. Sie hilft ihm auf und bringt ihn nach Hause. Dort findet sie seine Mutter bewusstlos vor und ruft den Krankenwagen.Àrni und sein Hund, Hanna und Borghildur kümmern sich um Aron, solange seine Mutter im Krankenhaus ist. Ich mochte die drei sehr gerne in ihrer selbstlosen Hilfsbereitschaft und Empathie. Gerne hätte ich erfahren, wie es ihnen weiter ergeht, doch das Buch hört leider ziemlich abrupt auf.Nichtsdestotrotz bin ich gern in den Alltag dieser vier sehr unterschiedlichen Menschen in Island eingetaucht und freue mich, eine weitere großartige isländische Autorin kennengelernt zu haben.