
Innsbruck, das ist doch dieses
Postkartenmotiv mit dem goldenen Dachl
vor massiver Bergkette? Da, wo alle sportfanatisch sind und für ein Feierabendbier auf die Alm laufen? Auch. Doch in der Alpenhauptstadt sorgen nicht nur die
Immobilienpreise samt Spekulant*innen für
schlaflose Nächte. Dass dem Verbrechen die eindrucksvolle Kulisse egal ist, weiß Chefinspektor Romed Stock, der an
zwei ungelösten Fällen arbeitet, am allerbesten. Als seine Kollegin Dobernig und er zum Wiltener Friedhof bestellt werden, kommt
plötzlich Tempo in Stocks Polizeialltag: Zwischen den Gräbern liegt
eine tote Frau, die keine persönlichen Habseligkeiten bei sich trägt. Da sogar die Etiketten aus der Kleidung geschnitten sind, fehlt es zunächst an Anhaltspunkten. Nun heißt es, die kleinen grauen Zellen zu Höchstleistung zu animieren. Gut, dass die neue Kollegin Dobernig
Pfeffer im Hintern hat und im richtigen Moment nicht davor zurückscheut, ihrem Kollegen Stock in denselben zu treten.
"Romed Stock: Mitte 40, Polizist, geschieden, 12-jährige Tochter, wohlgenährt,
auf der Suche nach etwas Ernstem" - letzteres sowohl in Bezug auf neue Indizien, als auch auf eine neue Romanze. Die komischen Begriffe, mit denen die pubertäre Tochter um sich wirft, der Second-Hand-Dating-Markt, auf dem sich neben ihm auch andere tummeln, die aus der Übung gekommen sind, und vor allem die Arbeit: All das hält den Mitvierziger
ganz schön auf Trab. Gut, dass er alle Orte der Stadt kennt, in denen es sich bei
italienischen Spezialitäten und anderen kulinarischen Genüssen entspannen lässt. Auf Indiziensuche in der
verwinkelten Altstadt erscheint es Stock nur logisch, auch in den ansässigen Konditoreien nach dem Rechten zu sehen. Wenn er durchs
dörfliche Hötting streift, ist ein Stopp beim Bauern ein Muss. Der bietet nicht nur herrlichen Graukas an, sondern womöglich auch einen Hinweis. Wenn auf die Bisse in Leckereien Gewissensbisse folgen, bietet sein liebster TV-Held, der fiktive Kollege Hercule Poirot, Zuflucht.
Wien wird gleich von ganzen Scharen motivierter Ermittler*innen bevölkert. Das
Salzkammergut hat mit Polizist
Franz Gasperlmaier, Ermittler in den äußerst erfolgreichen
Altaussee-Krimis von Herbert Dutzler, einen ikonischen Botschafter. Und in Innsbruck? Gähnende Leere und wilder Westen? Damit ist jetzt Schluss, denn Dutzler beehrt mit dem
Reihenauftakt um Chefinspektor Romed Stock nun auch die Alpenhauptstadt. Auch wenn sie sich gut verstehen würden, aus dem gleichen Holz geschnitzt sind Gasperlmaier und Stock nicht. Die
Dutzler-Handschrift ist dennoch zu erkennen: ein
humorvoller Blick hinter Klischees, Protagonist*innen, die einem in Realität schon begegnet sein könnten, mit
feiner Ironie eingearbeitete Beobachtungen und das Spiel mit
all den Ambivalenzen, die den Charakter einer Region prägen. Und mit einem Ermittler als Feinspitz wird der kulinarische Horizont gleich bis Italien erweitert.