Richtig starker Politthriller!
In "Die Praktikantin" von Horst Eckert, beginnt erstmal alles ganz gediegen: Carla Bergmann startet ihr Praktikum bei der Düsseldorfer Morgenpost und landet erstmal bei den Polizeimeldungen. Doch eine scheinbar kleine Geschichte rund um einen Einbruch bei regimekritischen Exilrussen entwickelt sich schnell zu etwas viel Größerem. Geheimdienste, politische Verstrickungen, technologische Kriegsführung, wirtschaftliche Interessen und die Frage, wer eigentlich von Krisen und Kriegen profitiert.Und Horst Eckert liefert richtig ab: Nichts davon wirkt komplett überzogen oder konstruiert. Vieles fühlt sich erschreckend plausibel und vor allem real an. Gerade in Zeiten von Ukrainekrieg, Desinformation und wachsendem Misstrauen gegenüber Medien entwickelt "Die Praktikantin" eine enorme Sogwirkung.Besonders spannend fand ich die Verbindung aus investigativem Journalismus und Politthriller. Eckert zeigt sehr eindrucksvoll, wie sehr Medienhäuser heute unter Druck stehen: Stellenabbau, Klickzahlen, Fusionen und gleichzeitig die Frage, ob echter Journalismus überhaupt noch möglich ist.Carla funktioniert als Hauptfigur richtig gut. Sie ist ehrgeizig, neugierig und glaubt noch daran, dass Journalismus etwas verändern kann. Gleichzeitig macht sie Fehler, überschätzt Situationen und gerät an ihre Grenzen. Dazu kommt Jan Koller, ein ehemaliger Star des Investigativjournalismus, der sich längst in seiner komfortablen Medienrolle eingerichtet hat. Die Dynamik zwischen den beiden war für mich tatsächlich eines der Highlights des Buches.Auch stilistisch hat mich der Roman komplett abgeholt. Kurze Kapitel, hohes Tempo, klare Sprache und keine unnötigen Ausschweifungen. Man nimmt sich ständig vor, "nur noch ein Kapitel" zu lesen und plötzlich sind wieder fünfzig Seiten vorbei.Natürlich ist nicht alles perfekt. Gerade im Mittelteil wirft Eckert sehr viele Themen gleichzeitig in den Ring: Geheimdienste, KI, Rüstungskonzerne, Medienkrise, Ukrainekrieg. Das funktioniert größtenteils gut, manchmal hätte ich mir aber gewünscht, dass einzelne Aspekte noch etwas mehr Tiefe bekommen.Trotzdem bleibt am Ende ein hochaktueller Politthriller, der nicht nur spannend unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt. Vor allem darüber, wie nah Fiktion und Realität inzwischen manchmal beieinander liegen.