rundum gelungener Thriller über Journalismus, Macht, Politik und die Suche nach der Wahrheit
Zugegeben war "Die Praktikantin" mein erstes Buch von Autor Horst Eckert und ich wurde sehr positiv davon überrascht. Als Thriller Fan habe ich seinen Namen bereits öfter gelesen, allerdings noch nie ein Buch gekauft. Doch "Die Praktikantin" hat mich optisch direkt angesprochen. Besonders die auffällige Farbgestaltung des Covers sowie das Motiv des Bürohochhauses haben meine Aufmerksamkeit geweckt und passen hervorragend zum Inhalt der Geschichte.Im Mittelpunkt der Handlung steht Carla Bergmann. Sie steht noch am Anfang ihrer journalistischen Laufbahn und absolviert ein Praktikum bei der Morgenpost. Als sie auf einen Polizeibericht stößt, bei dem ihr einige Ungereimtheiten auffallen, beginnt sie auf eigene Faust zu recherchieren. Auslöser ist ein Einbruch bei einem im Exil lebenden Russen. Schnell kommt der Verdacht auf, dass ein Geheimdienst dahinterstecken könnte. Doch warum scheinen die deutschen Behörden den Fall vertuschen zu wollen? Als schließlich ein Informant direkt vor Carlas Augen ermordet wird, stellt die Zeitung ihr den erfahrenen Investigativjournalisten und Hauptstadtkorrespondenten Jan Koller zur Seite.Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach der Wahrheit. Dabei stoßen sie immer wieder auf Widersprüche, Widerstände und gefährliche Geheimnisse. Je tiefer sie graben, desto größer wird das Risiko, selbst ins Visier mächtiger Interessen zu geraten.Die beiden Protagonisten sind gelungen und authentisch ausgearbeitet. Sie wirken sympathisch, nahbar und vor allem realistisch. Besonders Carla mochte ich als Hauptfigur sehr gern. Sie ist neugierig, engagiert und voller Tatendrang. Gleichzeitig besitzt sie noch einen vergleichsweise idealistischen Blick auf den Journalismus, was ihre Figur besonders interessant macht. Trotz ihres Ehrgeizes ist sie nicht fehlerfrei und gerät immer wieder ungewollt in gefährliche Situationen.Aber auch Jan Koller konnte mich überzeugen. Er bringt die notwendige Erfahrung mit und trägt maßgeblich zum Fortgang der Handlung bei. Besonders die Dynamik zwischen den beiden hat mir gefallen. Hier trifft ein erfahrener und erfolgreicher Journalist auf eine junge, motivierte und stellenweise noch etwas naive Praktikantin. Dieses Zusammenspiel sorgt für viele interessante Momente.Der Schreibstil von Horst Eckert ist angenehm, flüssig und sehr zugänglich. Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und enden häufig mit kleinen Cliffhangern, sodass man immer weiterlesen möchte. Dadurch entwickelt das Buch einen starken Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann.Auch die behandelten Themen fand ich äußerst spannend. Im Mittelpunkt stehen Krieg, Geheimdienste, Politik, Macht und Geld. Themen, die aktueller kaum sein könnten. Besonders interessant fand ich den Bezug zum Ukrainekrieg sowie die Einbindung von künstlicher Intelligenz. Dadurch wirkt die Geschichte sehr zeitgemäß und nah an der Realität.Überhaupt ist die gesamte Handlung bemerkenswert glaubwürdig konstruiert. Nichts wirkt überzogen oder unrealistisch. Vieles erscheint erschreckend authentisch und könnte sich tatsächlich so oder ähnlich ereignen."Die Praktikantin" ist ein rundum gelungener Thriller über Journalismus, Macht, Politik und die Suche nach der Wahrheit. Spannend, aktuell und erschreckend realitätsnah erzählt.Für mich war es definitiv nicht das letzte Buch von Horst Eckert.