Artur Elbing ist froh, dass er beim großen »Morgenkurier« in Berlin als Reporter anfangen durfte. In seinem Bereitschaftsdienst kommt eine junge Mutter auf ihn zu, die mit seinem Vorgesetzten sprechen will. Als sie geht und andeutet, später nochmal wiederzukommen, denkt sich der junge Reporter nichts dabei. Doch dann wird die Frau erdrosselt in einer Seitenstraße aufgefunden. Ist es Zufall, dass bei einem Einbruch in einem Postamt ausgerechnet ihr Fach aufgebrochen wurde? Wer hat Interesse an dem Tod der jungen Tänzerin? Wer geht so weit, dass er sogar die kleine Tochter Charlotte in die Finger bekommen will? Wem kann Artur vertrauen?
Der Roman nimmt gekonnt das Berlin des Jahres 1909 auf, zeigt die politischen Differenzen, die nicht nur die Bevölkerung betreffen, sondern auch die großen Zeitungen. Er zeigt ebenfalls ein Berlin, das zwischen Gehorsam zum Kaiserhaus und Freiheit für alle schwankt. Gerade an Artur und seiner Kollegin Viola wird sehr deutlich, wie die Denke zu der Zeit war.
»Männertreu« lässt sich anfangs Zeit, die einzelnen Charaktere einzuführen und zu zeichnen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Straffung gewünscht. Der Spannungsbogen bis hin zum Finale wird dagegen kontinuierlich aufgebaut und endet in einer Beinahe-Katastrophe. Der historisch belegte Hintergrund wird gut eingebaut und wirkt historisch stimmig.
Es gab leider einige orthografische Fehler, von denen ich hoffe, dass sie noch behoben werden. Auch waren an ein oder zwei Stellen kleinere Logikbrüche drin. Das Cover nimmt die Ära gut auf. Fun Fact: die Blume »Männertreu« gibt es in einer tiefblauen Farbe, Sorte: »Kaiser Wilhelm«.
Schreibstil 4 (5), Charaktere 5 (5), Dialoge 4 (5), Plot 5 (5), Struktur 4 (5),
Atmosphäre 4 (5), Technische Qualität 2 (5), Originalität 4 (5), Emotionale Wirkung 4 (5)
Gesamtwertung: 36 (45)
Insgesamt 4 von 5 Sternen