Ein passabler erster Auftritt von Harry Hole, der allerdings auf den letzten Metern ...
Von einem (guten) Krimi erwartet man, dass er nicht nur spannungsreich unterhält, idealerweise auch ein wenig Wissenswertes vermittelt, sondern dass hier auch "das Gute" gewinnt und man sich nach der Lektüre, zusammen mit den Ermittlern, erleichtert zurücklehnen kann. Immerhin darauf ist noch Verlass.Diese Erwartung wird nicht ganz erfüllt, bei diesem ersten Auftritt des Kommissars Harry Hole, der als Ermittler aus Oslo einen Mord auf der gegenüberliegenden Seite des Erdballs (Australien) mitaufzuklären sucht. Hier ist eine junge Norwegerin getötet worden, und zwar auf ziemlich brutale Weise. Aber musste das Ergebnis so geschildert werden, dass man die damit erzeugten Bilder kaum noch aus dem Kopf bekommt? Und ist es dann noch vonnöten, dass sogar eine tragende Figur, positiv besetzt, auch noch zum Opfer gemacht wird? Ich habe mich nicht gut 400 Seiten durch alle Höhen und Tiefen dieses Krimis gearbeitet, um dann auf den letzten Metern noch enttäuscht zu werden. Das reale Leben ist doch schon ungerecht genug ...Dennoch trägt die Geschichte, auch wenn sie gelegentlich ein wenig Leerlauf produziert. Hinzu kommen durchaus interessante Informationen zu den Ureinwohnern Australiens, inklusiver alter australischer Legenden, sowie den Bemühungen der "weißen Australier" ihre begangenen Frevel möglichst hinter wohlmeinenden Worten zu verstecken: "Erst haben sie unserem Volk den Stolz genommen, und jetzt wo er weg ist, haben sie einen Heidenangst davor, ihn zu verletzen." Alles in allem ein passabler 1. Auftritt des sympathischen Serienkommissars Harry Hole.(24.4.2022)