Kalmann Ödinnsson lebt in Raufarhöfn im Norden Islands. Er ist Haifischjäger und stellt den besten Gammelhai der Insel her. Fast schlafwandlerisch kann er das Wetter der nächsten Stunden vorhersagen und findet sich bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit draußen zurecht. Dieses Wissen hat er von seinem Großvater gelernt - dem einzigen Menschen, der immer an ihn geglaubt und ihm mit Geduld und Liebe alles beigebracht hat.Denn Kalmann hat auch viele Einschränkungen. Er ist ein Sonderling, möglicherweise autistisch oder - wie seine Mutter einmal sagte - das Ergebnis von "Ärztepfusch". Seit der Großvater dement im Heim lebt, ist die Mutter sein Vormund. Sie arbeitet als Krankenschwester in einem drei Stunden entfernten Ort und schaut gelegentlich nach dem Rechten.Mit Büchse (vom mütterlichen Opa), Mauser (vom väterlichen Opa), Cowboyhut und Sheriffstern ist Kalmann der selbsternannte Sheriff von Raufarhöfn. Ansonsten schaut er Trash-TV, ernährt sich ungesund und träumt davon, an der Seite einer schönen Frau zu leben.Als ein Mann im Ort verschwindet und Kalmann beim Arctic Henge eine Blutlache entdeckt, gerät sein bisher überschaubares Leben aus den Fugen. Plötzlich interessiert sich die Polizei für ihn (hier insbesondere die schöne Birna), Reporter wollen Interviews; sein gemurmeltes Stichwort 'Eisbär' macht die Dinge nicht besser.Eine weitere Frau stirbt - die Kalmann als Letzter lebend gesehen hat und weitere Ereignisse, in die er verwickelt ist, stellen sein Leben auf den Kopf.Joachim B. Schmidt hat mit Kalmann einen Antihelden geschaffen, der mit schlichter, oft berührender Klarheit Dinge auf den Punkt bringt. Wir erfahren zum Beispiel, dass es unter einem Eisbären dunkel und still ist - wahrscheinlich wie in einem Sarg. In einem Sarg war Kalmann allerdings noch nie.Der Roman gibt außerdem einen spannenden Einblick in die Strukturen eines ehemals vom Fischfang lebenden Ortes kurz vor dem Polarkreis - mit sehr anziehenden Landschaftsbeschreibungen.Von mir gibt es 4 Sterne.