Wirklich gelungen, stimmiger Plot, mal ruhig, ist sehr spannend, philosophisch und witzig, große Empfehlung!
"Und ich denke, es kommt der Moment im Leben, wo man nichts Neues mehr wissen muss, weil man einfach alles schon mal gehört hat. Man hat begriffen, wie das Leben funktioniert, und darum hat man einfach genug gehört. Ich glaube, Großvater war an diesem Punkt angekommen." So lässt Joachim B. Schmidt seinen Protagonisten Kalmann im gleichnamigen Roman sinnieren. Aber keine Sorge, auch wenn sich immer wieder kleine kluge Betrachtungen einschleichen, über die sich wunderbar philosophieren ließe - zu verkopft wird die Geschichte nicht.Denn Kalmann ist ein Held der besonderen Art. Als selbsternannter Sheriff - in bester Westernmanier mit Cowboyhut, Stern und Pistolenhalfter - fällt er in seinem isländischen 175-Seelendorf nicht nur optisch auf. Aufgrund einer geistigen Beeinträchtigung ist er etwas verschroben und eigensinnig, hat manchmal eine niedrige Impulskontrolle, ist aber im Großen und Ganzen von der Dorfgemeinschaft akzeptiert. Ein Außenseiter, für den ich schnell Sympathien entwickelt habe. Die Figuren sind allesamt sehr gelungen, Schmidt wirft einen treffenden und zugleich liebevollen Blick auf die hilfsbereiten Isländer, die den Gemeinschaftssinn hochhalten. Der Plot ist mal ruhig und von atmosphärischen Beschreibungen der kargen und rauhen Landschaft geprägt, um kurz darauf Fahrt aufzunehmen und einem spannenden Actionfilm zu ähneln. Ob Schmidt seinen herrlich trockenen und schrägen Humor schon immer hatte oder ihn sich im Laufe der fast zwanzig Jahre auf Island - wo er inzwischen eingebürgert ist - angeeignet hat, kann ich nicht sagen; in jedem Fall hat er mich bestens unterhalten. Ein großartiger Start in mein neues Lesejahr, lustig und tiefsinnig, spannend und lehrreich!