Olivia ist eine erfolgreiche Ghostwriterin - bis sie einem einflussreichen Autor auf die Füße tritt, der sie verklagt und sie plötzlich kurz davorsteht, ihr Haus verkaufen zu müssen..Also bleibt ihr nichts anderes übrig, als dem Wunsch ihres Vaters nachzukommen, mit dem sie seit Jahrzehnten keinen Kontakt hatte, als er sie bittet, seine Memoiren zu schreiben. Er will nur sie und keine andere. Olivias Verlag ahnt nichts von den familiären Verbindungen, und sie behält es ebenfalls für sich.Nicht einmal Olivias Partner weiß, warum sie den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat. Um sich vor Nachfragen zu schützen, erfand sie vor längerer Zeit den tragischen Tod ihrer Eltern. Doch in Wahrheit ihre Mutter verließ Mann und Kind, als Olivia noch klein war, und ihr Vater, heute ein gefeierter Autor, widmete sich mehr dem Alkohol und den Drogen als seiner kleinen Tochter.. Vince, der Vater, trägt eine schwere Last: Mit 16 Jahren wurden seine jüngere Schwester und sein älterer Bruder brutal ermordet. Er selbst geriet unter Verdacht, und obwohl man ihm nie etwas nachweisen konnte, haftete dieser Makel wie ein düsterer Ruhm an ihm - und überschattete auch das Olivias Leben erheblich. Wer möchte schon eine Mördertochter sein?Olivia trifft auf ihren von beginnender Demenz gezeichneten Vater, der ihr außer einem Stapel vollgekritzelter handschriftlicher Blätter nicht viel an Material liefert. Doch da sie endlich Gewissheit will, beginnt sie in ihrem Geburtsort zu recherchieren, um Licht ins Dunkel des Juni 1975 zu bringen.Das Buch ist aus Olivias Perspektive in angenehm langen Kapiteln in der Ich-Form geschrieben. Zwischendurch erzählen Rückblenden ins Jahr 1975 aus der Sicht von Poppy, der ermordeten kleinen Schwester, ihrer Tante also, und Vince, ihrem Vater. Immer wieder hat man das Gefühl, der Auflösung näherzukommen - und doch wirft einen schon der nächste Abschnitt erneut ins GrübelnDer großen Frage, ob Vince seine Geschwister ermordet hat oder nicht, kommt man erst im allerletzten Teil des Buches auf die Spur. Man ahnt zwar hin und wieder etwas, aber wie alles miteinander verknüpft ist, wird grandios beschrieben und ist absolut spannend zu lesen.Ein Stern Abzug, weil das Buch doch einige Längen hat - aber eine überzeugte Leseempfehlung für Freunde einer raffiniert erzählten Familientragödie, die einen das Buch kaum aus der Hand legen lässt.