London, 1816. Edward Arden liebt Männer und lässt sich von ihnen auch großzügig für seine Gesellschaft bezahlen ¿ ein Leben, das er im Geheimen führen muss, denn die Angst vor Entdeckung in einer Gesellschaft, die ¿Sodomie¿ hart bestraft, ist einfach zu groß. Alles ändert sich, als er eines abends den ebenso gut aussehenden, wie auch stets schlecht gelaunten Lord Melville kennenlernt. Bei einer Ermittlung in einem Juwelenraub kommen die beiden Männer sich näher, doch ihre Leben scheinen unvereinbar zu sein.Kai Spellmeier ist vor allem für seine Buchbesprechungen in den sozialen Medien und den Buchclub ¿Das pinke Sofa¿ bekannt, ¿Sonnenkönig Pechrabe¿ ist sein erster Roman. Erzählt wird abwechselnd aus der Perspektive von Edward und Lord Melville - der von seiner Familie Freddy genannt wird - in der Vergangenheits- und Er-Form. Ein wenig Kritik muss ich an der Sprache üben, denn die ist mal eloquent und voller Fremdwörter (wie es zum historischen Kontext durchaus passt) und mal eher flapsig und umgangssprachlich. Hier hätte ich mir etwas mehr Konsequenz gewünscht.Inhaltlich ist der Roman jedoch so viel mehr, als eine unterhaltsame Liebesgeschichte. Er ist ein Stück Gesellschaftskritik, das trotz der Versetzung ins viktorianische London nicht aktueller sein könnte. Was Edward und Freddy erleben, ist in vielen Ländern der Welt immer noch bittere Realität und selbst in ach so fortschrittlichen Gesellschaften, ist Ausgrenzung queerer Menschen an der Tagesordnung. Kai Spellmeier gelingt hier der Spagat zwischen einer emotionalen, mitreißenden Lovestory und klar gezeichneter Sozialkritik.¿Sonnenkönig, Pechrabe¿ wird unter dem Motto ¿Bridgerton, but gay¿ vermarktet und das ist wirklich Programm. Man merkt deutlich, wie viel Recherche der Autor in dieses Werk gesteckt hat und gleichzeitig schafft er es, dass einem die Charaktere mit jeder Seite mehr ans Herz wachsen. Gut gelungen finde ich übrigens auch die Gestaltung des Buches, die beweist, dass die Cover von historischen Liebesromanen nicht überbordend kitschig sein müssen, sondern auch schlicht und stilvoll daherkommen können.