Ein wichtiges Buch über wichtige Themen
Ich hab letzten Monat ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿ ¿¿¿ ¿¿¿¿¿¿¿ von Katherena Vermette beendet - und ich musste das Buch danach erst mal sacken lassen.Im Zentrum stehen vier Frauen aus drei Generationen der Familie Stranger - deren Lebenswege sich auf schmerzhafte Weise kreuzen. Cedar, die jüngste, hat einen Großteil ihrer Kindheit in Pflegefamilien verbracht und kehrt schließlich zum Vater zurück, wo sie sich zwar umsorgt, aber keineswegs wirklich angenommen fühlt. Phoenix, die ältere Schwester, bringt in einer Jugendstrafanstalt ein Kind zur Welt, das ihr unmittelbar nach der Geburt weggenommen wird. Ihr Kampf um Selbstvergebung und Würde wird zu einem der emotionalen Kernstücke des Romans. Mutter Elsie ringt mit ihrer Sucht und dem tiefen Wunsch, das Leben ihrer Töchter wieder in den Griff zu bekommen und als zuverlässiger Halt für sie da zu sein. Und schließlich Margaret, die genauso mit ihren Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen wie ihre Tochter und Enkel.Es geht um Gewalt, Verlust, Sucht, Armut und das Leben indigener Familien - aber auch um Zusammenhalt und dieser ganz leisen Hoffnung, die sich trotzdem immer wieder zeigt. Vieles daran ist schwer auszuhalten, weil es so direkt und realistisch beschrieben wird. Gleichzeitig schafft Vermette es, ihre Figuren mit so viel Mitgefühl zu zeichnen, dass man ihnen unglaublich nah kommt.Mich hat besonders berührt, wie unterschiedlich die Frauen mit ihren Erfahrungen umgehen und wie sehr ihre Geschichten trotzdem miteinander verbunden bleiben. Es gibt keine einfachen Lösungen, kein "Happy End" im klassischen Sinn - eher ein vorsichtiges Weitergehen. Und genau das fühlt sich ehrlich an.Kein leichtes Buch, aber ein sehr wichtiges. Eines, das wütend macht, traurig macht und gleichzeitig zeigt, wie viel Stärke selbst in zerbrochenen Familiengeschichten steckt.Große Leseempfehlung, wenn ihr Bücher mögt, die emotional fordern. Gestört hat mich lediglich, dass man den sehr komplexen Stammbaum der Familie Stranger, nur schwer überblickt. Ein paar weniger Randfiguren hätten der Geschichte meiner Meinung nach gut getan.