philosophisch anmutende Zukunftsversion mit außergewöhnlicher Erzählperspektive
Protagonistin und Erzählerin ist die namensgebenden Klara, eine solarbetriebene Künstliche Freundin (KF), also eine humanoide KI, die geschaffen wurde um Jugendlichen beim Aufwachsen Gesellschaft zu leisten. Da konsequent aus ihrer Perspektive erzählt, sind die Beobachtungen Klaras war einerseits sehr genau, aber manchmal etwas "hölzern" formuliert. Trotz enormer technischer Leistungsfähigkeit verliert sich die permanent lernende "Freundin" aber auch in Irrtümern, die für sie aber so real sind, dass sie sie unbeirrt weiterverfolgt, wie die Idee von der "Besonderen Nahrung" der Sonne.Dieser und andere spannende Aspekte tauchen in diesem - v.a. am Ende - schon fast philosophisch wirkenden Roman auf. Dabei werden interessante Fragen aufgeworfen, die zum Nachdenken anregen. So ist in Klaras Welt eine völlig neue Form von Vereinsamung und Zwei-Klassen-Gesellschaft entstanden und man merkt, dass dieser Gedanke gar nicht so weit entfernt ist von der tatsächlichen Realität. Es ist einfach ein wenig weiter gedacht ...Man erschließt sich als Leser Ishiguros dystopische Idee der Zukunft durch die Augen der KI. Anfangs durch das Schaufenster, von dem aus sie aus ihrem Laden auf einen Ausschnitt der realen Welt blickt. Nach und nach weitet sich ihr Blick und ihr Verstehen nimmt zu durch das, was sie mitbekommt. Konsequent ist, dass wir als Leser nicht alles rund um diese "Schöne neue Welt" erklärt bekommen und manches nur versatzstückartig präsentiert wird. Man muss sich aktiv sein Bild zusammensetzen. So bleibt z.B. lange unklar, unter welcher schwerwiegenden Erkrankung Josie, das ist Klaras Jugendliche, leidet.Insgesamt ein eher ruhiger, aber unbedingt lesenswerter Roman. Hat mir persönlich besser gefallen als "Alles, was wir geben mussten".