Magie, die bezahlt werden will mit Lust oder Schmerz. Allein diese Grundidee hat mich sofort neugierig gemacht. Geblieben bin ich wegen der konsequenten Grauzonen, in denen sich Silvercloak Unter Feinden bewegt.
Ich bin in eine Welt eingetaucht, in der Macht niemals kostenlos ist und Moral kein verlässlicher Maßstab. Das Worldbuilding empfand ich als dicht, düster und gut durchdacht; die Atmosphäre war von Anfang an angespannt. Nichts fühlte sich einfach oder bequem an weder das Magiesystem noch die Entscheidungen der Figuren.
Saffron ist für mich keine Heldin zum Anhimmeln, sondern eine Figur, die man ernst nimmt: klug, verschlossen und bereit, Grenzen zu überschreiten. Levan blieb lange schwer greifbar brutal und kontrolliert, zugleich mit Momenten unerwarteter Verletzlichkeit. Ihre Dynamik lebt weniger von Romantik als von Reibung, Machtverhältnissen und unausgesprochenen Wahrheiten, was für mich sehr gut zur Tonlage des Romans passt.
Der Stil las sich flüssig und klar, stellenweise etwas erklärend, insgesamt aber stimmig. Die Undercover-Handlung, die Zeitmagie und die moralische Unschärfe hielten die Spannung konstant hoch, ohne sich in Effekten zu verlieren.
Silvercloak Unter Feinden ist für mich kein Wohlfühlbuch und kennt kein sauberes Gut-gegen-Böse. Als Auftakt hat mich der Roman mit seiner Atmosphäre, thematischen Schwere und einem eigenständigen Magiesystem überzeugt und macht neugierig auf die Fortsetzung.