Was für ein Debut! Laura McCluskey ist eigentlich in der Film- und Theaterwelt zuhause. Nun ist ihr erster Roman WOLFSKÄLTE (im Original: The Wolf Tree) erschienen und hat mich begeistert. Es handelt sich um einen Kriminalroman, den ich der Gattung der Spannungsromane mit Thrillerelementen zuordnen würde. Vermutlich als Auftakt einer Reihe (zumindest ist bereits die Fortsetzung mit dem Titel "The Cursed Road" angekündigt) begegnen wir dem Ermittlerduo George, die eigentlich Georgina heißt, diesen Namen aber nicht passend findet, und ihrem älteren Kollegen Richie. Ohne zu viel zu verraten: die beiden harmonisieren nicht mehr ganz so gut, was mit einem Ereignis in der Vergangenheit zusammenhängt. George muss sich bewähren, während ihr Kollege eher bedächtig vorgeht.Die Geschichte wird aus der Perspektive von George erzählt, wobei McCluskey die Rolle der personalen Erzählerin einnimmt. Neben der Kriminalermittlerin steht vor allem der Schauplatz des Romans im Mittelpunkt. Eilean Eadar ist eine fiktive, sehr abgelegene Insel der Äußeren Hebriden. Nun ist die Idee, einen Krimi auf einer abgelegenen Insel spielen zu lassen, nicht neu. Gerade die schottischen Inseln werden gerne gewählt, da das raue Klima, die Isolation und der keltische Backgrund viele Möglichkeiten bieten, um einen Roman geheimnisvoll und bedrohlich zu gestalten. Die Bewohner leben umgeben vom wilden Atlantik, betreiben Fischfang und Schafzucht und gelten als tief verwurzelt in ihrer Kultur und ihren Traditionen, als religiös und von engen nachbarschaftlichen Beziehungen geprägt. Dies macht sich McCluskey zunutze. Sie lässt sich Zeit, um alles sehr ausführlich zu beschreiben. Bereits die Anreise der beiden Detective Inspectors nimmt einen gewissen Raum ein. Mir gefällt das sehr, denn so habe ich das Gefühl, die Insel gemeinsam mit George kennenzulernen.Die Aufgabe der beiden Ermittler ist es zu klären, ob ein junger Mann, der am Fuße des Inselleuchtturms aufgefunden wurde, Selbstmord begangen hat, oder ermordet wurde. Die Ermittlungen verlaufen zäh, denn sie stoßen auf eine Mauer des Schweigens. McCluskey gelingt es, genau diese Zähigkeit hervorragend zu beschreiben. So entsteht eine düstere, dichte Atmosphäre, in welche die Leserschaft gemeinsam mit George mehr und mehr hineingezogen wird. Die Gänsehautmomente der Protagonistin erlebt man hautnah mit. Man lernt die Bewohner kennen und erfährt, dass der Leuchtturm in der Vergangenheit schon einmal der Schauplatz eines ungelösten Rätsels war.Wer sich darauf einlässt und es sich gerne mit Wolldecke und Tee gegen das raue Klima Schottlands wappnet, den erwartet ein fesselnder Kriminalroman, den ich gerne mit fünf Sternen ¿¿¿¿¿ belohne. Und ich erwarte voller Spannung die Fortsetzung.