Bin ein großer Fan der Ner Krimireihe. Das Gehöft hat mich aber leider enttäuscht.
Für mich war vollkommen klar, dass ich den Thriller, den Richard Brandes unter neuem Pseudonym schreibt, lesen möchte. Seine regionale Krimireihe rund um die Ermittlerin Carla Stach mag ich sehr und ich wusste, da kann jemand gut schreiben.Nun also ein Thriller von Leo Brandt in einem perfekten Setting. Eine Hallig. Es ist Jahre (eher Jahrzehnte) her, dass ich einen Ausflug auf die Hallig Hooge machen durfte und diese Kleinod (wenn auch die größte der Halligen) hat mich sofort für sich eingenommen. Eine Faszination der Natur, bewohnbar gemacht durch Menschen. Für einen idyllischen Kurzurlaub genau richtig für mich. Zum dort leben jedoch ein klares Nein von mir. Zu begrenzt für mich.Anders die Protagonist:innen des Romans. Fünf Menschen kaufen eine Warft auf der (fiktiven) Hallig Westeroog um genau dort gemeinsam zu leben. Lara mit ihrem Freund Henry, das Paar Silke und Kenan und Malte, Laras Bruder.Es gibt noch eine weitere Warft auf der Hallig, die unbewohnt scheint. Der Plot ist recht schnell erzählt. Die zwei Paare sind euphorisch, das Abenteuer Hallig anzugehen. Lara hat aber bereits zu Beginn seltsame Erscheinungen. Mit Ove, einem alteingesessenen Nordlicht kommt auch ein wenig mystische Spannung ins Spiel. Der Verwalter Willi und Oves verschollener Bruder Helge bilden einen kleinen Nebenerzählstrang, der in den Hauptpilot eingewoben wird Die Katastrophe kommt schnell. Malte verschwindet. Malte ist Autist und eckt mit seinen Regeln bei den anderen an. Und dennoch ist es für Lara klar, dass er nicht einfach so verschwinden würde. Wir sind noch relativ am Anfang des Buches und ich habe leider hier schon eine Ahnung, was geschehen ist und wer dahinter steckt.Auch wenn noch einige andere Fährten gestreut und Geheimnisse aufgedeckt werden, soll ich am Ende mit meiner Vermutung richtig liegen. Das mag andere freuen, mich stört das. Ich werde gern überrascht. Hier war mir vieles zu vorhersehbar und ich konnte zudem der Logik einzelner Personen nicht immer folgen.Auch der Schreibstil ist anders als bei den Krimis. Irgendwie einfacher, weniger tief. Streckenweise fand ich es eintönig und die Lust am Weiterlesen hielt sich in Grenzen. Ich wollte aber wissen, wie sich alles am Ende entwirrt und auflöst und so blieb ich dran.Vielleicht muss ich mir am Ende eingestehen, dass meine Thriller-Liebe wirklich vorbei ist, denn wenn ich darüber nachdenke, konnten mich Thriller in den letzten Jahren, egal von wem, kaum noch überzeugen.Ich bin mir aber sicher, dass dieses Buch dennoch viele Liebhaber finden wird. Denn die Idee allein neigt großes Potenzial. Die Beschreibungen der Hallig im übrigen, haben mir richtig gut gefallen. Dieses Wilde, dass sich dem Menschen wiedersetzt und der Handlung zusätzlich einen guten Spannungsbogen bietet und dennoch dass Schöne, Ursprüngliche nicht missen lässt.