Cover & Klappentext
Das Cover ist recht einfach gehalten, sticht aber aufgrund der Farbgebung heraus. Dank der Details passt es zur Story.
Insgesamt war ich mir nicht sicher, ob das Buch etwas für mich ist. Dystopische Romane gefallen mir oftmals nicht. Allerdings hat der Klappentext mich neugierig gemacht, sodass ich mich auf das Abenteuer eingelassen habe.
Meinung
Als Erstgeborene ist Bryn Ruelle für eine Militärlaufbahn vorgesehen, wohingegen ihr jüngerer Bruder eine akademische Laufbahn einschlägt und die jüngste der Geschwister, Wren, einen Geheimauftrag erfüllen soll.
Am Tag der Langen Nacht steht Bryns Abschlussprüfung bevor, als sie eine mysteriöse Nachricht erhält, dass ihre Schwester in Gefahr sei. Um Wren zu retten, desertiert sie und verbündet sich mit einem der meistgesuchtesten Verbrecher. Während ihrer Reise erfährt Bryn nicht nur, dass alles, was ihr über Jahre gewaltsam eingetrichtert wurde, auf einer Lüge beruht, sondern zu allem Überfluss fühlt sie sich auch noch zu Ash hingezogen.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Bryn, die den Großteil der Kapitel aus der Ich-Perspektive einnimmt, doch auch andere Charaktere werden in den Mittelpunkt gerückt und bekommen ihre Kapitel. Unter anderem Ash, Asa, Wren und Overst. Oftmals resultiert bei vielen Sichtweisen das Problem, dass man sich nicht auf die, in dem Fall, Hauptprotagonistin konzentrieren beziehungsweise keine Bindung herstellen kann und dass Präsenz sowie Tiefe verloren gehen. Die Befürchtung war hier unbegründet. Die unterschiedlichen Sichtweisen haben sogar geholfen, weil Bryn anfangs nur schwer greifbar war. So wurde sie angelegt. Das wurde aus ihr gemacht während des jahrelangen Drills. Ihre Gefühle hat sie so weit unterdrückt, dass sie diese selbst kaum noch wahrgenommen hat. So hat sie überlebt. Nur ihren Kampfgeist hat sie nie verloren und wurde so zur Besten.
Sogar von ihren Geschwistern hat sie sich distanziert, vergaß aber nie das Versprechen, was sie einst ihrer Mutter gegeben hatte.
Und während Bryn sich abgeschottet hat, waren andere Protagonisten zugänglicher. Das half mir, an der Story dranzubleiben, da ich immer eine Verbindung brauche, damit Emotionen transportiert werden.
Erst im weiteren Verlauf, als Bryn nach und nach einsehen muss, dass alles, was ihr beigebracht wurde und an das sie glaubte, gelogen war, lernt man sie kennen. Sie geht langsam aus sich heraus. Schon allein, weil die sonstige Einzelgängerin Hilfe annimmt. Diese Veränderung wurde schön dargestellt.
Dennoch konnte ich mich nicht komplett während des ersten Teils mit Bryn identifizieren. Vielleicht geschieht das in der Fortsetzung, doch das bleibt abzuwarten.
Der Schreibstil ist manchmal etwas herausfordernd. Phasenweise neigt die Autorin zu Schachtelsätzen, die nicht immer aufgehen. Auch die Ausdrucksweise konnte nicht immer bei mir punkten, was aber klar Geschmackssache ist. Ansonsten, nachdem ich mich erst einmal daran gewöhnt hatte, flog ich quasi durch die Seiten, was nicht zuletzt an dem zunehmenden Tempo lag. Wohingegen gerade zu Beginn durch viele Erklärungen, bedingt durch die Komplexität der Auftaktes, etwas Langatmigkeit aufkam.
Hier zeigt sich, was ich schon des Öfteren bei Mehrteilern beobachten konnte: Es braucht seine Zeit, um sich in der Geschichte zu verankern, was nicht nur den Leser, sondern auch den Autor oder die Autorin betrifft. Kleinere Startschwierigkeiten scheinen schon beinahe normal zu sein.
Etwa nach dem ersten Drittel nahm die Story an Fahrt auf und überzeugte mit sich steigender Spannung. Irgendwann war ich so gefesselt, dass ich mich selbst davon abhalten musste, zu spoilern, indem ich bis zum Ende vorblättere.
Gerade Ash hat es mir in der Geschichte angetan, noch mehr als Bryn. Er vermittelt Lebendigkeit und eine gewisse Lockerheit, die dem Buch ein wenig die Schwere nehmen. Und das überträgt sich auch auf Bryn. Seine Nähe macht einen anderen Menschen aus ihr oder zeigt, was unter der Erstgeborenen in ihr steckt.
Fazit
Ein komplexer Auftakt einer außergewöhnlichen dystopischen All Age Fantasy, die durch ihre Handlung Tiefe generiert, indem sie die Abgründe der Menschheit thematisiert.
Manch einer wird vielleicht etwas brauchen, um sich in der Story zurechtzufinden, aber ich kann nur sagen, dass es sich lohnt.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.