Ein sensibel erzähltes Coming-of-Age über erste Liebe, Freundschaft und das Erwachsenwerden
Coming-of-Age vom Feinsten. Wirklich ein Buch von der Sorte, bei dem man nach ein paar Seiten merkt: Das wird gut!So wie Lucy sich in Mo verliebt, habe ich mich beim Lesen fast ein bisschen in Henri und die Menschen in der Platte verliebt.In Katie zum Beispiel, die im Café Kronsaal arbeitet und auch mal ein Stück Kuchen verschenkt. In ihre kleine Tochter Lucy, die nach der Schule dort sitzt und davon träumt, prima Ballerina zu werden. In Herbert mit seiner riesigen Patchworkdecke. Und ganz besonders in Henri.Henri ist zwölf, verbringt mit ihrer besten Freundin Mo die Sommerferien im Freibad, teilt Sonnenmilch, Bücher und diese ganz besondere Nähe, die irgendwann mehr wird. Und während da diese zarte erste Liebe wächst, beginnt zuhause langsam etwas zu kippen. Ihr Vater, den sie liebt, verändert sich. Henri spürt, dass etwas nicht stimmt, kann es aber kaum greifen und noch weniger aussprechen. Gerade dieses Schweigen, dieses Gefühl, dass Reden wie Verrat wäre, fand ich unglaublich stark beschrieben. Also versucht sie das alles irgendwie in Grusel-Geschichten zu verarbeiten, die schreibtWas mir besonders gefallen hat: Das Buch bleibt nicht nur bei diesem einen Sommer. Wir begleiten Henri über mehrere Jahre, sehen sie als Jugendliche und später auch als Erwachsene. Dadurch gewinnt die Geschichte nochmal viel mehr Tiefe. Es geht eben nicht nur um erste Liebe, sondern auch darum, wie einen Familie prägt, wie man mit Verlust, Angst, Wut und Überforderung umgeht und wie man trotzdem versucht, weiterzugehen.Henri ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ihre Unsicherheit, ihre Wut über die Ungerechtigkeiten, ihre Sehnsucht nach Halt das alles war so sensibel und glaubwürdig erzählt. Auch die Verbindung zu Mo mochte ich sehr. Diese stillen, klugen, fast selbstverständlichen Momente zwischen ihnen, dieses Miteinander-lesen, Miteinander-schweigen, füreinander da sein, das hatte wirklich etwas Besonderes.Und dann diese Sprache. So fein, so intensiv, dabei nie zu schwer. Das Buch erzählt von ernsten Dingen, aber auf eine Weise, die trotzdem leicht bleibt, ohne irgendetwas kleinzumachen. Gerade das fand ich richtig gelungen. Es gibt so viele schöne Sätze darin, und insgesamt hat mich das Buch wirklich positiv überrascht.Palastplatte ist für mich ein Roman über Freundschaft, erste Liebe, Familie, psychische Erkrankung, das Erwachsenwerden und darüber, wie man versucht, für etwas Worte zu finden, das eigentlich zu groß ist.Sehr berührend, sehr besonders und einfach richtig gern gelesen.