Auch nach dem Lesen noch auf der Suche nach der KonMari-Methode..
Gibt man den Titel des genannten Buches in eine Suchmaschine ein, springen einem gefühlt tausende Lobpredigten entgegen. Das Textstück, das von seinen Lesern derartig vergöttert wird, hat es so schließlich auch auf meine Kaufliste geschafft.Magic Cleaning, geschrieben von einer jungen Japanerin namens Marie Kondo, beschreibt das Phänomen der von ihr gegründeten "KonMari-Methode", das den Menschen, die von ihr Gebrauch nehmen, nicht nur helfen soll, ihr Zuhause gründlich zu säubern, sondern anscheinend auch noch überglücklich macht. 223 Seiten später kann ich nicht fassen, das Buch bereits beendet zu haben. Nicht, weil es mich derartig gefesselt hat oder mich gar zum Aufräumen angeregt hat, sondern weil ich immer noch verzweifelt auch der Suche nach der KonMari-Methode bin. Das Buch gliedert sich in 5 große Kapitel, wobei das erste vierzig Seiten lang auf vermeintlich folgende Tipps und Tricks vorbereitet. Hat der Leser sich endlich über das erste Kapitel gerettet, wartet er gespannt darauf, nun endlich einen Funken Ahnung zu bekommen, wie "Magic Cleaning" funktioniert. Ich nehme es vorweg: Man wartet vergeblich. Da ich der Typ Leser bin, der ein Buch nicht beurteilen will, bevor er es fertiggelesen hat, habe ich mich bis zum Ende durchgeprügelt. Demnach kann ich den Inhalt folgendermaßen beschreiben: Marie Kondo erzählt von Erfahrungen mit ihren Klienten, wobei sie dabei nicht sehr objektiv bleibt und sich dabei nicht selten über die besagten Personen lustig macht. Sich selbst - im Gegensatz dazu - stellt die Autorin geradezu als Göttin da. Denn sie hatte ja bereits fast noch im Windelalter begriffen, wie wichtig das Aufräumen ist. Nicht nur das, nein, sie hat nahezu die halbe Weltbevölkerung mit ihrer (nicht greifbaren) Methode glücklich und befreiter gemacht. Ihre Selbstpreisung war genau das, was das Buch so abscheulich gemacht hat. Selbst wenn der Inhalt nicht zu bekritteln wäre, ist die Art, wie sie sich über andere stellt, auf Dauer kaum auszuhalten. Generell hat sich mir als Leserin oft die Frage gestellt, ob sie überhaupt wirklich ernst meinen kann, was sie da schreibt. "Eine der Aufgaben, die ich meinen Klienten in den Ordnungsseminaren gebe, lautet: "Dankbarkeit zeigen!" Wenn Sie von der Arbeit nach Hause kommen, sagen Sie der Kleidung, die Sie ausziehen und wieder aufhängen, doch mal: "Vielen Dank, dass du mich heute wieder gewärmt hast." Wenn Sie die Accessoires abnehmen: "Vielen Dank, dass ihr mich heute wieder schön gemacht habt." Und wenn Sie die Tasche in den Schrank zurückstellen: "Mit deiner Hilfe konnte ich heute wieder sehr gute Arbeit leisten. Danke schön!" Auf diese Weise zeigen wir den Dingen, dass wir die Unterstützung durchaus bemerken und sie zu schätzen wissen. " (S.184) Ich finde den Grundgedanken, der im Buch vermittelt wird, absolut faszinierend und richtig: Dinge, die einen glücklich machen, zu behalten und im Gegensatz dazu, die zu entsorgen, die dies nicht tun. Wenn ich dafür aber jeden Tag eine halbe Stunde Zeit verschwenden muss, um einen Monolog mit jeder Haarbürste zu führen, beginne ich daran zu zweifeln, ob das, was die Autorin zu erreichen versucht, nicht eher Hirnwäsche ist. Inhaltlich jedoch findet man praktisch nichts Brauchbares. Generell finden sich auf den Seiten mehr Erzählungen von Frau Kondos (anscheinend sehr einsamen) Kindheit als Tipps zum Aufräumen. Wenn man wirklich vom Lesen profitieren will, hätte man sich mit Marker bewaffnet hinter das Buch setzen müssen, um die Stellen zu markieren, die etwas Hilfreiches beinhalten. Wobei ich mich nach wie vor frage, ob ich überhaupt etwas markieren hätte können. Meiner Meinung nach hätte man ihre Tipps einfacher - und deutlich schneller - durch das Lesen irgendeines Hausfrauenmagazins gefunden.Zusammenfassend muss ich erneut betonen, wie enttäuscht ich von diesem Schriftstück bin. Natürlich war zu erwarten, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden, da das Buch besser angepriesen wurden als jede Schlankheitskur. Dass jedoch so ein Mangel an Inhalt besteht, bringt mich nach wie vor aus der Fassung. Marie Kondo mag vielleicht denen helfen, die absolut noch nie aufräumen konnten, aber jeder, der sich auch nur irgendwie mit dem Thema auseinandersetzt und Nützliches oder emotional Wichtiges behalten hat, war auf einem besseren Weg. Ich möchte niemanden verurteilen und bin mir sicher, dass die Beschäftigung mit dem Aufräumen durch das Lesen eines themenspezifischen Buches hilfreich sein mag, wenn man mit dem Aufräumen nicht mehr weiterkommt. Dennoch zweifle ich persönlich daran, dass die Tipps, die die Autorin gibt, wirklich helfen.Abschließend muss ich jedoch zugeben, dass ich einen einzigen Tipp von Marie Kondo augenblicklich nach dem Umblättern der letzten Seite befolgt habe. Er befand sich auf der Seite 104 und besagte folgendes: "Wir wollen einfach nur die Bücher behalten, die uns wirklich Freude bereiten. Das von mir verfasste Buch, das Sie gerade lesen, bildet da keine Ausnahme. Es macht Sie nicht glücklich? Dann geben Sie es bitte, ohne zu zögern, ins Altpapier."