Inhalt:Mallory Fontaine ist eine Hexe ohne Kräfte. Dafür kann sie Geister sehen und gibt Führungen durch das verlassene Haus Saphir, in dem einst Monsieur Le Bleu seine Frau ermordete. Als sein Nachfahre sie aufsucht und bittet, sein Anwesen vom Geist Le Bleus zu befreien, sieht Mallory ihre Chance... Doch der Geist ist gefährlich... schließlich fehlen ihm nur noch zwei Frauen, um wieder aufzuerstehen.Meine Meinung:Das Buch war in der Februar 2026-Young Pages Buchbox und wäre mir ohne dieses Buchabo vermutlich nicht so aufgefallen. Generell finde ich Retellings von Märchen allerdings ziemlich spannend. Die Grundgeschichte ist bekannt, aber es ist immer wieder interessant, was die Autoren daraus machen. Das düstere Märchen von Blaubart wird hier mit überraschend viel Humor verbunden. Ich bin daher sehr froh über dieses Abo, denn das Buch hat mir sehr gefallen.Die Geschichte beginnt mit Mallory Fontaine, die mit ihrer Schwester als Hexen gilt. Um ihren Lebensunterhalt aufzubessern, gibt sie Führungen durch das geheimnisvolle Haus Saphir. Dort lebt der Geist der ermordeten ersten Ehefrau von Monsieur Le Bleu, der danach auf ein anderes Anwesen zog und dort zwei weitere Frauen ermordete, die dritte Frau entkam ihm.Das düstere Setting wird durch den leichten Schreibstil aufgelockert, was das Buch für mich so besonders macht. Die Autorin versteht es hervorragend, selbst in angespannten oder gruseligen Situationen kleine ironische oder witzige Momente einzubauen. Das passiert hauptsächlich durch Mallory, denn sie ist schlagfertig, selbstreflektiert und nimmt sich selbst nicht allzu ernst. Ihre inneren Kommentare und ihre oft trockene Art sorgen dafür, dass man als Leser immer wieder schmunzeln muss und das auch in Szenen, die eigentlich die gegensätzliche Stimmung vermitteln sollen.Auch die Geister in dieser Geschichte haben mir sehr gefallen. Sie besitzen Persönlichkeit, Eigenheiten und teilweise sogar einen überraschend charmanten Humor. Diese Mischung aus Grusel und Leichtigkeit erzeugt ein Gleichgewicht zwischen Spannung und Unterhaltung, sodass die Geschichte gleichzeitig atmosphärisch dicht und angenehm locker ist.Die Handlung selbst ist durchgehend spannend aufgebaut. Zwar gab es kleinere Längen im Mittelteil, doch insgesamt bleibt die Geschichte fesselnd. Besonders die Wendungen gegen Ende konnten mich überzeugen, da sie nicht komplett vorhersehbar waren und dem Ganzen noch einmal zusätzlichen Schwung verliehen. Die Kombination aus mysteriösen Ereignissen, Familiengeheimnissen und unterschwelliger Gefahr sorgt dafür, dass man das Buch nur ungern aus der Hand legt.Die Figuren hätten zum Teil besser ausgearbeitet sein können. Der Fokus liegt hier sehr auf Mallory, die eine starke, aber nicht perfekte Heldin ist. Ich mochte sie sehr und empfand sie als authentisch. Ihre Neugierde auf den Geist von Bleu wird zu einem ernsthaften Interesse, sich mit den dunklen Geheimnissen des Hauses auseinanderzusetzen. Die kleine Liebesgeschichte hätte es für mich aber nicht gebraucht. Ich hätte mir mehr Tiefe bei zum Beispiel Mallorys Schwester gewünscht.Insgesamt ist "The House Saphir" ein sehr gelungenes Jugendbuch, das besonders durch seinen humorvollen Ton hervorsticht. Die Balance aus düsterer Handlung, spannender Mystery und charmantem Witz macht es zu einer unterhaltsamen Lektüre, die sich angenehm von klassisch schweren Fantasy-Geschichten abhebt. Wer Märchen-Retellings liebt und dabei nicht auf Humor verzichten möchte, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.