Ein Roman, der wie sein Vorgängerband das Thema Demenz ungefiltert aufgreift und dennoch leise versucht, das Aufflackern von Hoffnungsschimmern sowie hellen Erinnerungsmomenten zu einer mitfühlenden Geschichte zu vereinen. Kaede ist eine junge Lehrerin, die eine sehr enge Bindung zu ihrem Großvater aufgebaut hat. Sie ist willensstark, wirkt aber manchmal auch sehr verletzlich. Die Schübe der Lewy-Körper-Demenz prägen das Handeln des Großvaters und bilden gleichzeitig den Kern der Botschaft, dass auch eine solche Einschränkung es einem Menschen ermöglichen kann, das Leben noch in kleinen Momenten zu genießen. Die beiden prägenden Nebenfiguren aus dem ersten Band, Iwata und Shiki, der exzentrische Theaterregisseur, sind wieder Teil der Handlung und sorgen mit ihrem besonderen Verhalten für zusätzliche Würze. Der Aufbau des Romans ist stringent und wird nicht durch Zeitsprünge unterbrochen. Ein eindringlicher Schreibstil, in dem auch in der Übersetzung viel japanische Kultur erkennbar bleibt, sorgt für einen angenehmen Lesefluss. Besonders interessant ist dabei, dass japanische Begriffe wie zum Beispiel Sensei, die als Anrede oder Suffix hinter einen Namen gesetzt werden, um einer Person Respekt zu erweisen, unübersetzt übernommen werden. Dies ist ein Teil der japanischen Kultur, der in der gesamten Erzählung sehr gut zur Geltung kommt. Auch die oft mit Japan verbundene Melancholie ist ein wichtiger Bestandteil einzelner Erzählpassagen. Die einzelnen Fälle oder Rätsel des Großvaters sind unterschiedlicher Natur, wirkten auf mich aber manchmal etwas zu sehr nach einem bestimmten Muster aufgebaut. Das ist jedoch nur eine kleine Einschränkung meines ansonsten wirklich positiven Leseeindrucks. Im Gegenzug fand ich die Herleitung von zwei Fällen besonders beeindruckend. Der Roman vermittelt die Botschaft, dass man oft das Kleine im Großen sehen muss.