Dungeon Crawler Carl; Frauenhass mit Lootbox.
Natürlich werden wir erst mal in die neue Welt eingeführt. Wir wissen im Grunde genauso viel wie unser Protagonist Carl, weshalb man gemeinsam mit ihm alles kennenlernt. Anfangs wirkt das Ganze wie ein Tutorial und ganz ehrlich: Beim Zocken skippe ich solche Parts meistens, weil man nach einer gewissen Zeit einfach weiß, wie der Hase läuft. Aber gut, hier werden wir eben über die verschiedenen Ebenen, Monster, Tränke, Items und alles Mögliche aufgeklärt, was ja auch wichtig für die Geschichte ist.Allerdings hatte ich mir vorab schon ein paar Rezensionen durchgelesen und dabei ist mir aufgefallen, dass viele von sexistischen, misogynen und behindertenfeindlichen Formulierungen gesprochen haben. Deshalb habe ich beim Lesen besonders darauf geachtet.Und HOLY. Ich frage mich wirklich, wer das bitte durchgewunken hat. Sowohl im englischen Original als auch in der deutschen Übersetzung. Wer hat das gelesen und sich gedacht: ¿Jo, passt, können wir so veröffentlichen¿?! Und dann ist das ganze auch noch erfolgreich..Achtung: Ab hier werde ich einige Zitate aus dem Buch anführen. Ich finde es wichtig, dass man sich ein Bild von der verwendeten Sprache machen kann. (Und muss tbh)Die vulgäre Sprache hat mich beim Lesen wirklich zunehmend genervt. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass in Extremsituationen, gerade wenn es ums nackte Überleben geht, geflucht wird. Dagegen habe ich auch überhaupt nichts. Aber die Häufigkeit, mit der hier Kraftausdrücke verwendet werden, ist einfach völlig übertrieben. Weniger wäre hier definitiv mehr gewesen.Frauen sind gefühlt ständig nackt und werden bis ins kleinste Detail auf ihre Körper reduziert. Wenn gefühlt jede weibliche Figur hauptsächlich über ihre Brüste, ihren Körper oder irgendwelche körperlichen Merkmale definiert wird, frage ich mich irgendwann schon, ob der Autor gedanklich in der Pubertät steckengeblieben ist. Besonders deutlich wird das bereits beim ersten Bosskampf, der natürlich gegen eine Frau/ weibliches Wesen stattfindet. Diese wird ausführlich als hässlich, dick und ungepflegt beschrieben, inklusive hängender Brüste und Dehnungsstreifen am Bauch. Und zwar so penetrant, dass ich mich ernsthaft frage, was der Autor eigentlich für ein Problem mit Frauen hat. ^^ Natürlich darf man Figuren unvorteilhaft darstellen, aber wenn der weibliche Körper ständig als billige Pointe herhalten muss, ist das irgendwann einfach nur noch ermüdend. Was genau hat das jetzt mit dem Kampf zu tun? Warum müssen der Körper und das Gewicht dieser Frau so dermaßen betont werden? Frauen werden hier teilweise so beschrieben, als wäre ihr Körper allein schon der ultimative Witz. Und unser lieber Protagonist wurde natürlich von seiner Freundin verlassen und auch noch betrogen. Wie sollte es auch anders sein! ^^ Langsam frage ich mich wirklich, ob Frauen in diesem Buch überhaupt irgendeine andere Funktion haben, als Männern das Leben schwerzumachen oder als billige Pointe herzuhalten. Das Gesamtbild wird dadurch jedenfalls nicht besser. Wenn weibliche Figuren entweder auf ihren Körper reduziert, lächerlich gemacht oder als die bösen Ex-Freundinnen dargestellt werden, wirkt das irgendwann weniger wie Zufall und mehr wie ein ziemlich fragwürdiges Muster.Und dann wäre da noch der neue Charakter namens MONGO. Dazu muss ich eigentlich gar nicht viel sagen. Relativ am Anfang fällt bereits eine Aussage über Menschen mit Behinderung, bei der für mich endgültig Schluss war. Da war meine Grenze einfach überschritten. In Kombination mit der ohnehin schon fragwürdigen Sprache hat mich das Buch an diesem Punkt komplett verloren. Provokanter Humor schön und gut, aber wenn man auf Kosten von Menschen mit Behinderung Witze macht, hört der Spaß für mich auf. Nicht alles, was schockieren soll, ist automatisch witzig oder clever. Manchmal ist es einfach nur daneben. Dann ist das Buch stellenweise einfach unfassbar seltsam sexuell. Da haben wir beispielsweise Wesen, die Bilder von ihren Schwestern aus der Toilette haben. Oder ein anderes Wesen, der seinen Gefährten frisst und dabei so stöhnt, dass es sich "FAST" sexuell anhört. Oder Lamas die 14 jähreige Mädchen anmachen bzw auflauern.. Was soll dieser Humor? Was genau soll daran lustig sein? Bei solchen Szenen bekomme ich einfach nur richtig unangenehme Vibes.Meine beste Freundin hat den Humor irgendwann als Pipi-Kaka-Humor bezeichnet, und ganz ehrlich? Das beschreibt dieses Buch für mich perfekt. Es ist der Humor, bei dem man das Gefühl hat, dass etwas allein deshalb lustig sein soll, weil es möglichst geschmacklos, eklig oder unangenehm ist. Und wenn man das nicht lustig findet, hat man vermutlich einfach keinen Humor. Oder so.Insgesamt fand ich das Buch wirklich schrecklich.Dabei hatte ich grundsätzlich kein Problem mit der Idee. Die neue Welt, die verschiedenen Ebenen und das ganze Spielsystem hätten durchaus interessant sein können.Für mich war das Buch eine Mischung aus unnötiger Vulgarität, frauenfeindlichen und misogynen Darstellungen, behindertenfeindlicher Sprache, der ständigen Reduzierung von Frauen auf ihre Körper und einem Humor, der für meinen Geschmack viel zu oft in eine unangenehm sexuelle Richtung abdriftet.Ich weiß, dass das Buch viele Fans hat und dass manche genau diesen Humor feiern. Glückwunsch. Aber ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man das alles lesen und das als Favoriten abspeichern kann.Mein Fazit: unnötig vulgär, frauenfeindlich, misogyn, stellenweise behindertenfeindlich und auf eine Art sexuell, bei der ich lieber nicht wissen möchte, was im Kopf des Autors vor sich geht.Danke für eure Aufmerksamkeit. Ich gehe jetzt etwas lesen, bei dem nicht alle drei Seiten jemand ¿Scheiße¿ schreien muss oder "WITZE" auf den Nacken anderer macht.