Die Ausgangssituation ist stark: Eine tote Mutter, alte Familienkonflikte, ein düsterer Wald und Ermittler, die selbst genug Baustellen mitbringen. Die Atmosphäre ist dicht, stellenweise richtig beklemmend, und der Schreibstil zieht einen grundsätzlich gut in die Geschichte hinein.Was die Autorin spannend löst, ist der Perspektivwechsel. Jedes Kapitel wird aus einer anderen Sicht erzählt, das sorgt für Dynamik und baut Spannung auf. Allerdings war genau das für mich auch die größte Herausforderung. Es sind viele Figuren, viele Verbindungen, viele Namen. Viiiiiele Namen!Ich rätsle wirklich gern mit, aber hier hatte ich phasenweise eher das Gefühl, gegen die Komplexität anzulesen, statt mich einfach treiben lassen zu können. Das hat mir leider ein Stück Lesefreude genommen, obwohl die Geschichte an sich gut konstruiert ist und eine interessante Familien- und Milieustudie bietet.Die Grundidee, das familiäre Geflecht und die düstere Stimmung haben definitiv Potenzial. Für Leser, die komplexe, vielschichtige Konstruktionen lieben und kein Problem mit vielen Perspektiven haben, könnte das genau das Richtige sein.Für mich war es ein guter Krimi mit starker Ausgangslage, aber durch die Vielzahl an Protagonisten etwas anstrengender zu lesen, als ich es mir gewünscht hätte.