Überraschend anders: Keine SciFi, aber definitiv einen Versuch wert.
Das ist doch kein Science-Fiction! Eher eine Mischung aus ¿magischem Realismus` und historischem Roman. Das Werk handelt von einem offenbar unsterblichen männlichen Bewusstsein, das von einem zum nächsten Körper springt und der andere Menschen vor allem als ¿Zuchtmaterial¿ nutzt, um sich ebenfalls unsterbliche Nachkommen zu schaffen. Per Zufall findet er einen Menschen in den Weiten Afrikas in Gestalt einer jungen Frau, der aber schon 300 Jahre alt ist, heilende Kräfte besitzt und sich in jede menschliche und tierische Gestalt verwandeln kann. Sie stammt eindeutig nicht aus seiner ¿Zuchtreihe¿ und ist somit eine ¿wilde Saat¿.Doro und Anyanwu sind die beiden Hauptfiguren, die im Zentrum stehen. Das Buch handelt vor allem von ihrem Ringen, ihren Kämpfen und ihre Annäherung. Es startet in Afrika, setzt dann aber mit einem besonderen Sklavenschiff nach Amerika über und spielt die nächsten 150 Jahre (1690 bis 1840) dort. Doro sucht nach Menschen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, mit denen er viele Kinder zeugt, so auch mit Anyanwu. Doch erstmals hegt er bei ihr die Hoffnung, dass ihre gemeinsamen Nachkommen ebenso die Unsterblichkeit erlangen könnten.Auf eine andere Weise betrachtet, handelt es auch von Anyanwus Emanzipation, die sich zunächst aus Angst Doro unterwirft, später flieht und ihm letztendlich die Stirn bietet. Der Leidensweg der schwarzen Bevölkerung Amerikas wird fokussiert, und am Rande auch das Thema Gender behandelt.Octavia Butler gilt als eine Vorreiterin für fantastische afroamerikanische Literatur und setzt sich in ihren Büchern intensiv mit kultureller Identität auseinander.Wäre ich mit meiner SciFi-Brille an den Roman herangetreten, wäre ich wahrscheinlich enttäuscht worden. Doch so fand ich den Handlungsverlauf sehr ungewöhnlich und nicht unspannend. Der Roman weist die eine oder andere Länge auf, ist aus meiner Sicht aber einen Versuch wert.Fazit: Überraschend anders: Keine SciFi, aber definitiv einen Versuch wert