Spannende und in den Grundzügen mutmaßlich realistische Nacherzählung der Vorgänge zum Motiv des 3. Golfkriegs
Der Roman erschein 2022 und wurde wie sein Vorgänger mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Hintergrund des Romans ist eine wahre Begebenheit, nämlich die Tatsache, dass die USA vor dem 3. Golfkrieg im Jahr 2003 ihren Angriff auf den Irak damit begründeten, dass der Irak unter Saddam Hussein über Massenvernichtungswaffen verfügt, was sich hinterher als Falschinformation herausstellte. In dem Roman erhält der Informant, der die falsche Information verbreitet, den Decknamen Curveball und es gibt eine Informantin mit dem Decknamen Abeer, die Beweise dafür hat, dass Curveball lügt. Sie wird allerdings bei der Übergabe ihrer Beweise an Agenten des BND von einem der Agenten aus dem Hinterhalt erschossen, weil Amerikaner ihn während des Einsatzes dazu mit der Lüge drängen, Abeer plane einen Bombenanschlag auf die BND-Leute. Schnell begreift Jaromin, dass er hereingelegt wurde. Nun aber schwebt er wegen seines Insiderwissens selbst in Lebensgefahr, denn es gibt Leute, die haben überhaupt kein Interesse daran, dass die Lüge auffliegt.Der gesamte Roman spielt über einen Zeitraum von drei Wochen im Februar 2003 (der 3. Golfkrieg begann am 01.03.2003) und wird in vielen sehr kurzen Kapiteln erzählt, wobei ständig zwischen den Örtlichkeiten hin und hergewechselt wird, so dass auch durch die Erzählweise verdeutlicht wird, dass viele Dinge parallel ablaufen.Aus meiner Sicht gibt es ein paar Ungereimtheiten, z.B. wie die Entführer von Hanne Lay sie und Salih plötzlich wieder finden, obwohl es Hanne über eine Stunde lang gelang, versteckt zu bleiben und dann mit Salih im Auto auf der Rückfahrt ist. Oder wieso Jaromin bei seinem Einsatz plötzlich Amerikaner auf seinem Headset hört.Etwas seltsam und unpassend empfand ich, dass manche Figuren nur Vornamen bekommen haben.Insgesamt aber ist es ein spannendes Werk, weil man nur ganz langsam erfährt, wer zu den Verschwörern gehört, die auf einen Krieg hinarbeiten, und wer zu denjenigen gehört, die den Krieg verhindern wollen. Gut gefallen hat mir auch, dass der Autor auch die menschliche Seite einer Tätigkeit als Agent beleuchtet, die Probleme, die es mit sich bringt, wenn man nicht einmal seiner Familie die Wahrheit sagen darf. Insofern aus meiner Sicht eine durchaus realistische Darstellung. Ebenso halte ich die vorkommenden Vertuschungsmanöver für realistisch dargestellt.Von meiner Seite eine Leseempfehlung. Vier Sterne.