Penibel recherchiert und gekonnt erzählt
Mit diesem historischen Roman, der mit 944 Seiten ein gewichtiges Epos ist, entführt uns Oliver Pötzsch in die Jahre 1524 bis 1526, in denen sich die Bauern gegen ihre Grundherren erheben. Die Gründe sind vielfältig: wirtschaftliche Not und soziales Elend, Schwierigkeiten, gegenüber Grund-, Leib- und Gerichtsherren Recht zu erhalten, und nicht zuletzt Missstände in Adel und Klerus. Meistens treffen mehrere Faktoren zusammen, die zum Aufstand führen, der nicht ausschließlich auf den Bauernstand beschränkt bleibt. Auch Handwerker und Teile der Bürgerschaft schließen sich den Kämpfen an. Nicht ganz unbeteiligt sind auch die religiösen Umwälzungen durch Martin Luther oder Ulrich Zwingli, wobei Luther ein erklärter Gegner der Bauernkriege ist. Es regiert Karl V., als Kaiser der Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation, in dessen Reich, "die Sonne nicht untergeht". Allerdings kochen diverse Adelige ihr eigenes Süppchen und versuchen die Herrschaft des Kaisers zu sabotieren. Soweit ein kurzer historischer Abriss in diese höchst komplexe Zeit. Schauplatz des Romans ist zunächst einmal die vormals so prächtige Trifelser Königsburg in der Nähe von Speyer, die längst ziemlich heruntergekommen ist. Um seine horrenden Schulden bezahlen zu können, will Burgvogt Philipp von Erfenstein seine Tochter Agnes mit dem Kämmerer verheiraten. Doch Agnes hat andere Pläne, verbringt ihre Zeit am liebsten mit Mathis, dem Sohn des Trifelser Burgschmieds, dem Mönch Tristan und ihrem Falken Parcival. Als der Falke einen Siegelring, auf dessen Platte das Antlitz von Kaiser Barbarossa prangt, bringt, macht sich Agnes mit Tristan zum Kloster Eußertal auf, um das Rätsel des Ringes zu entschlüsseln. Die Männer der Burg, Mathis ist inzwischen zum Geschützmeister ernannt worden, müssen sich und die Burg gegen den Raubritter Hans von Wortingen verteidigen. Viel mehr will ich an dieser Stelle nicht verraten ... Meine Meinung: Wer die historischen Romane von Oliver Pötzsch wie die Reihe rund um den Henker Kuisl oder jene um Doktor Faustus kennt, weiß wie penibel der Autor recherchiert und wie gekonnt er seine Charaktere in Szene setzt. Die Historie wird völlig unaufgeregt in die Geschichte verpackt, so dass hier Geschichtsunterricht stattfindet, ohne dass die Leser dies bemerken. Zudem wird es trotz der vielen Seiten kaum langweilig. Mit dem sicheren Gespür, was den Lesern zuzumuten ist, führt uns der Autor durch diesen komplexen Roman. Dazu tragen die bildhaften Beschreibungen, in denen wir die Zeit des 16. Jahrhunderts mit allen Sinnen miterleben dürfen, bei. Also nicht, dass ich zu dieser Zeit leben wollte. Wie wir es vom Autor gewöhnt sind, gibt es ein ausführliches Nachwort, in dem er erklärt, was Fakt und was Fiktion ist. Fazit: Wer die 944 Seiten nicht scheut, wird hier in eine sehr interessante Epoche eintauchen können. Gerne gebe ich diesem Wälzer 5 Sterne und eine Leseempfehlung.