Das Buch hat mich von der ersten Seite an abgeholt. Es gab keine Aufwärmphase - man ist sofort mitten im Geschehen und direkt Teil der Geschichte. Besonders der Puppenmörder ist für mich eine gut ausgearbeitete Charakterfigur. Seine Handlungen und die daraus entstehenden Szenarien konnte ich mir sehr plastisch vorstellen. Einige Bilder, die beim Lesen entstanden sind, haben sich stark eingeprägt und wirken noch lange nach.Als Psychothriller erfüllt das Buch für mich eindeutig seinen Aufgabe: Es erzeugt eine konstante, hohe Anspannung. Obwohl mich die Grundsituation - eingesperrt zu sein, dem Täter ausgeliefert und zum Überleben gezwungen - an bekannte Szenarien erinnert hat, blieb die Spannung durchgehend erhalten. Ich konnte der Protagonistin emotional sehr gut folgen und ihre Gefühle nachvollziehen. Auch in den Passagen, in denen der Täter andere Situationen beschreibt, werden Ängste und Emotionen der Opfer eindringlich vermittelt.Mit keiner Figur konnte ich mich direkt identifizieren, wohl aber mit den Gefühlen, die sie durchleben. An einzelnen Stellen habe ich kurz hinterfragt, ob man sich in einer Gefangenschaft wirklich so verhalten würde wie die Protagonistin. Diese Zweifel lösten sich jedoch schnell auf, da mich die Geschichte immer wieder vollständig in ihren Bann gezogen hat.Besonders positiv empfand ich die Zeitsprünge und Perspektivwechsel. Obwohl diese oft anstrengend sein können, waren sie hier klar und nachvollziehbar gestaltet und haben den Lesefluss nicht gestört. Insgesamt habe ich das Buch als sehr intensiv und beinahe invasiv erlebt - ein Thriller, der emotional nachwirkt und lange im Kopf bleibt.