Ware Gesundheit

Das Ende der klassischen Medizin.
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Produktdetails

Titel: Ware Gesundheit
Autor/en: Paul U. Unschuld

EAN: 9783406664878
Format:  EPUB
Das Ende der klassischen Medizin.
Familiy Sharing: Ja
Beck C. H.

28. Februar 2014 - epub eBook - 175 Seiten

Beschreibung

Gesundheit ist ein Menschheitstraum. Seit zweieinhalb Jahrtausenden hat die europäische Kultur - oft in Widerspruch zur Theologie - den Versuch gewagt, diesen Traum als existentielle Selbstbestimmung zu verwirklichen. Die Grundlage dazu bot und bietet die Überzeugung von dem unbedingten Primat der Naturgesetze. Heute besitzt das Gesundheitswesen ein höchst beeindruckendes Potential, Krankheiten zu heilen, Leiden zu mindern und Lebensläufe zu beeinflussen. Gleichzeitig naht das Ende der klassischen Medizin. Technischer Fortschritt, geänderte Formen der Wissensbildung, gesellschaftlicher Wandel und an erster Stelle die zunehmende Kommerzialisierung haben die Ärzte als zentrale Entscheidungsträger verdrängt und neue Akteure an die Macht gebracht, die erstmals in der Geschichte den Kranken als Ressource und Gesundheit als Ware betrachten.

Portrait

Paul U. Unschuld ist Direktor des Horst-Görtz-Stiftungsinstituts für Theorie, Geschichte, Ethik Chinesischer Lebenswissenschaften, Charité, Berlin. Davor Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin, LMU München; Professor am Dept. of Behavioral Sciences, School of Hygiene and Public Health, Johns Hopkins University, Baltimore, USA.

Leseprobe

1. DER SINN DER MEDIZIN


Medizin ist ein Teil der Heilkunde. Nicht alle Heilkunde ist Medizin. Heilkunde haben Menschen seit vorhistorischen Zeiten entwickelt, angewendet und an nachfolgende Generationen weitergegeben. Heilkunde ist jegliches Bemühen, dem kranken Menschen Linderung oder gar Heilung zu gewähren. Heilkunde ist ein Bestandteil nahezu aller Kulturen. Zwar gab und gibt es gelegentlich Weltanschauungen, die dem Menschen das Recht oder die Möglichkeit absprechen, aus eigener Kraft auf die Entwicklung und den Ausgang einer Krankheit Einfluss zu nehmen, aber das sind seltene Ausnahmen. So verwarf in der chinesischen Antike der Philosoph Zhuangzi (um 365–290) jeglichen Gedanken, etwa den Tod zu betrauern, da das Ende des Lebens, so seine Auffassung, schließlich nur der Übergang in eine Phase körperlosen Daseins sei, aus der schließlich durch erneute Geburt eine weitere Phase körperlicher Existenz hervorgehe. Warum also sollte man diesen natürlichen Entwicklungslauf behindern oder gar versuchen, die Wegmarke Tod aufzuschieben?

Auch im westlichen Kulturraum ist ein gelegentliches Zögern bekannt, dem Menschen die Fähigkeit zuzugestehen, Kranksein zu behandeln und den möglichen Tod aufzuschieben. Einige wenige christliche Kirchenväter des frühen Mittelalters lehnten die weltliche Heilkunde ab und sahen Christus oder die Heiligen als die einzigen Instanzen, denen das Recht zustehe, über das Leben eines Menschen zu entscheiden. Ähnlich argumentieren auch heute noch verschiedene religiöse Gruppierungen, die von Zeit zu Zeit nicht zuletzt deshalb Medienaufmerksamkeit erlangen, weil ihre Anhänger sich weigern, etwa ein sehr krankes Kind in medizinische Behandlung zu übergeben.

Doch die überwiegende Mehrheit aller Kulturen und Weltanschauungen hat offenbar einem weitverbreiteten Grundbedürfnis der Menschheit nachgegeben, da
s Leben zwischen Geburt und Tod als etwas Schützenswertes, als etwas Einmaliges anzusehen, und daraus die Folgerung gezogen, alles Erdenkliche zu unternehmen, um dieses Leben zum einen so lange wie möglich auszukosten und zum anderen, die Dauer dieses Lebens frei von Leiden zu halten. Auch hier gilt es freilich innezuhalten und auf die Ausnahmen zu verweisen, die zwar nicht die Heilkunde insgesamt ablehnen, aber doch die Suche nach der Leidfreiheit als unangemessen verurteilen.

Einige christliche Theologen haben bis in die Gegenwart versucht, das Leiden des einzelnen Menschen als unabdingbaren Teil der conditio humana darzustellen und aus dieser Sichtweise das Streben der Heilkunde nach völliger Leidfreiheit als eine menschenunwürdige Vision hinzustellen. Die theologischen Verurteilungen der durch die Weltgesundheitsorganisation im Jahre 1946 verabschiedeten umfassenden Definition von «Gesundheit» als «Zustand vollkommenen körperlichen, psychischen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen» sind ein Beispiel für den offenbar anhaltenden Wunsch dieser Kreise, der Heilkunde Fesseln anzulegen und Leiden als einen wesentlichen Bestandteil eines «gesunden» menschlichen Lebens anzuerkennen.[1]

Frühere Beispiele der theologisch begründeten Abneigung gegen völlige Leidfreiheit sind die Proteste gegen die Pockenschutzimpfung im 18. und frühen 19. Jahrhundert und die Kampagne gegen eine schmerzfreie Geburt, die von fundamentalistischen Priestern und Ärzten in der Mitte des 19. Jahrhunderts unter Berufung auf die Heilige Schrift initiiert wurden. Die damaligen Aktivisten schreckten auch vor – man würde heute sagen: terroristischen – Angriffen auf die Befürworter solcher Neuentwicklungen nicht zurück und suchten ihre theopolitischen Ziele unter anderem mit Brandstiftung durchzusetze
n. Die aus den Reihen der Stammzellforscher zu Beginn des 21. Jahrhunderts angeregten Visionen, mittels therapeutischen Klonens und anderer Maßnahmen manche bisher kaum heilbaren Krankheiten therapieren zu können, haben dem alten Mechanismus folgend erneut die theologisch begründete Ethik zum Widerstand aufgerufen. Doch es ist abzusehen, dass wie schon in vergangenen Epochen auch heute und in naher Zukunft der Überlebenswille und die Sehnsucht nach Leidfreiheit sich durchsetzen werden. Ein wichtiger Grund für diese Annahme ist nicht zuletzt das wirtschaftliche Potential, das die Anwendung derartiger neuer Entwicklungen bietet.

Wenn wir bislang ausschließlich von Heilkunde und noch kaum von Medizin gesprochen haben, so liegt der Grund dafür in der Tatsache, dass Heilkunde der Überbegriff für alles Bemühen ist, Kranksein zu lindern, zu heilen oder auch vorzubeugen. Heilkunde beginnt mit dem Trost, den man jemandem spendet, indem man ihn in die Arme nimmt oder sein Leid mit Worten zu lindern trachtet. Sie umschließt die Wadenwickel für fieberkranke Kinder ebenso wie die Gabe von Naturstoffen als Tee oder Aufkochung. Neuerdings umfasst Heilkunde auch die technikgestützte Diagnose im Computertomographen oder mittels Elektrokardiogramm und die Therapie mit Produkten aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie. Die deutsche Sprache erlaubt es, Medizin enger zu definieren und als einen Teilbereich der Heilkunde zu identifizieren. Medizin ist der Teilbereich der Heilkunde, der sich in der griechischen Antike in einer vielleicht für eine solche Entwicklung einmaligen gesellschaftlichen Situation als ein Akt der Befreiung des Menschen aus der Bevormundung durch religiöses Denken entwickeln konnte.

Wir unterscheiden eine vormedizinische Epoche, in der vormedizinische Heilkunde seit Urzeiten ausgeübt wurde – offenbar durchaus erfolgreich, denn aus welchem anderen Grund h&a
uml;tten die Menschen vor zwei, drei Jahrtausenden diese Heilkunde überliefern und immer wieder anwenden sollen? Die Menschen im 2. und 1. Jahrtausend vor Christi Geburt waren von vergleichbarer Intelligenz wie die Menschen der Gegenwart. Sie besaßen ebenso wenig Veranlassung, etwas offensichtlich Nutzloses an die nächste Generation weiterzugeben, wie ihre Nachfahren heutzutage. Dabei ist der Nutzen nicht im Sinne moderner naturwissenschaftlicher Evidenz zu verstehen. Nützlichkeit meint die Überzeugung, dass eine Handlung oder eine Sichtweise nicht folgenlos ist und somit in der Anwendung auf ein Problem einen Nutzen bringt. Diese Art von Nützlichkeit war ganz gewiß mit der vormedizinischen Heilkunde verknüpft. Viele Menschen vertrauten der Heilkunde und führten Linderung und Heilung ihrer Leiden auf die Anwendung dieser Heilkunde und die ihr zugrunde liegende Weltanschauung zurück und sahen keinen Grund, daran zu zweifeln.

Wir wissen heute, dass die Durchsetzungskraft eines heilkundlichen Ideensystems und der daraus abgeleiteten therapeutischen Maßnahmen zur Vorbeugung und Heilung von Kranksein im gesamten Verlauf der Medizingeschichte in erster Linie von der Überzeugungskraft der einem jeden heilkundlichen Ideensystem zugrunde liegenden Weltanschauung abhängig ist.[2] Wer sich unablässig von kaum sichtbaren, böswilligen Mächten umgeben und folglich die Welt von Dämonen bevölkert sieht, die für allerlei Missgeschick verantwortlich zeichnen, wird auch überzeugt sein, dass diese Dämonen Kranksein verursachen und dass dieses Kranksein durch einen Exorzismus geheilt werden kann. Wer der Überzeugung ist, dass verstorbene Ahnen noch über Generationen hinweg metaphysisch existent bleiben und über das Verhalten ihrer Nachkommen wachen, der wird auch überzeugt sein, dass diese Ahnen strafend eingreifen, wenn die Enkel und Urenkel gege
n grundsätzliche ethische Normen verstoßen. Kranksein, das einzelnen Menschen oder einer Bevölkerung auf diese Weise zuteil wird, ist heilbar, wenn die Ahnen, durch Opfer und Gebete besänftigt, ihre Strafen zurücknehmen. Die unabhängig von einem therapeutischen Eingriff wirksamen Selbstheilungskräfte des Organismus verleihen allen solchen Erklärungsmodellen ausreichend Plausibilität. Die Mehrzahl funktionaler Erkrankungen des Menschen, so ist zu vermuten, heilt während, nicht wegen eines heilkundlichen Eingriffs.

Der Herausbildung einer medizinischen aus der vormedizinischen Heilkunde musste daher die Entstehung einer neuen Weltanschauung vorangehen, die als Konsequenz eine völlig neue Heilkunde plausibel erscheinen ließ. Die vormedizinische Heilkunde war zum Teil rein pragmatisch-empirisch. Das heißt, sie vermittelte therapeutische Anwendungen, die aus irgendeinem, keinem Nutzer mehr bewussten Anreiz in die Heilkunde aufgenommen worden waren und nun ohne jegliche tiefere Sinngebung, allein aufgrund ihres von Heilern und Patienten empfundenen Nutzens überliefert wurden. Daneben aber existierte auch im vormedizinischen Zeitalter bereits eine Theorie des Krankseins. Dies konnte, so vermittelt es das homerische Epos, die Vorstellung sein, ein Gott oder ein vielfältiges Spektrum an Göttern stehe gleichsam über den Menschen, beobachte deren Lebenswandel und sende, manchmal aus für den Menschen nachvollziehbaren Gründen, nicht selten aber auch aus undurchschaubarer Willkür, den Sterblichen eine Krankheit oder gar den frühen Tod.

Die vormedizinische Heilkunde beschränkte sich daher, soweit wir dies heute den altgriechischen Quellen entnehmen können, darauf, etwa eine Wunde zu versorgen oder eine andere Verletzung zu pflegen. Der Eingriff in ein Kranksein stand dagegen nur den Göttern zu. Sie hatten die Krankheit gesandt,...


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