Leider geht der Reihentrend eher abwärts. Das erste Buch war das Stärkste und dieses das Schwächste. Insgesamt aber immer noch unterhaltsam.
Diesem Roman merkt man deutlich an, dass er nur ein Auftakt ist, der die Folgebände vorbereiten soll. Das ist es Nachteil, weil dadurch viel an Spannung verloren ging. Schreibstil: Wie in den vorherigen Büchern. Fließt nicht in meine Bewertung ein, aber sehr nervig: Die Übersetzung verzichtet wieder darauf, englische Namen zu übersetzen, obwohl es im Text ausdrücklich wichtig ist, dass diese eine bestimmte Bedeutung haben. Die Leser*innen sind also darauf angewiesen, sich diese Bedeutung anhand ihrer Fremdsprachkenntnisse selbst zusammenzureimen und erhalten zudem einen Störfaktor in einer Welt, in der eigentlich keine Engländer herumlaufen. Für mich ist das ein Versagen der Übersetzung. 5 Sterne Charaktere: Die Charaktere funktionieren wieder, wobei man sagen muss, das Sabetha (die hier endlich auftritt) nun nicht unbedingt eine Figur ist, die Sympathien weckt. Der Text macht klar, dass sie aus persönlichen negativen Erfahrungen heraus agiert, aber permanentes Runtermachen und Manipulieren von allem und jeden ist nun nicht gerade anrührend. Auch schienen mir manche Entscheidungen eher dem Spannungsbogen geschuldet zu sein, was die Figur etwas abwertet. Die Charaktere sind also interessant und keineswegs oberflächlich, aber mir hat hier so ein bisschen der Zugang gefehlt. 4,5 Sterne Handlung und Struktur: Auch in diesem Band ist der Spannungsbogen schwächer. Das hat verschiedene Gründe. Lange Passagen, in denen wenig bis nichts vorangeht wie in Band 2 gibt es hier zum Glück nicht. Dafür erinnern die Rückblenden viel an das, was wir eigentlich schon aus Band 1 kennen und sind deswegen weniger wertvoll. Hinzukommt, dass der ganze Roman (sowohl, was die Rückblenden betrifft) als auch die eigentliche Handlung im Grunde nur darauf zielen, Sabetha endlich einzuführen. Der Roman ist also im Grunde eine einzige Figurenvorstellung. Fast jedenfalls: Zum Schluss gibt es dann noch eine wichtige Enthüllung, die aber ein wenig unmotiviert daherkommt. Die vorherigen Bände lieferten nur ausgesprochen vage Hinweise in diese Richtung (die genauso gut anders interpretierbar wären) und deswegen schien mir das Ganze nicht recht organisch, sondern eher übergestülpt. Auch Dramatik und Turbulenzen der vorherigen Bände fehlen. Wenn wir uns vorstellen, was in Band 1 alles passiert ist (Morde, Folter, Zerstörung), so geht es hier doch sehr gesittet zu. Der Ausgangskonflikt entwickelt sich linear ohne Wendungen von wirklicher Tragweite, ohne größeren Sinn, ohne echte Überraschungen. 3 Sterne Tiefgang: Auffällig ist auch hier, dass Tode von Menschen, die als Geschwister wahrgenommen wurden, überhaupt nicht betrauert werden. Ich hatte schon bei Band 1 kritisiert, dass schlimme Ereignisse letztlich wenig Spuren hinterlassen. Das zeigt sich an mehreren Stellen. Manchmal gibt es Andeutungen, aber insgesamt scheint mir das einfach ein wenig lapidar. Auch die Beziehungskonstellation war ausgesprochen merkwürdig und unnachvollziehbar. Locke zeigt eine merkwürdige Fixierung. Das allerdings wird in der Tat auch so benannt und tatsächlich plausibel erklärt. Dennoch weiß ich nicht recht, was ich davon halten soll. Sabethas Seite scheint ebenfalls sehr unklar und trotz aller Romantik wollte ich den beiden gerne raten, doch einfach getrennt zu bleiben. 3,5 Sterne Worldbuilding: Karthain kommt leider nicht an die vorherigen Settings heran. Für mich besaß Karthain nichts Individuelles, ich wusste auch gar nicht mehr, wie ich diesen Ort nun so wirklich einordne. Der Schauplatz wirkte austauschbar. Das jedoch gemessen an den Schauplätzen der Vorgängerbände, die sehr originell waren, deswegen vergebe ich hier immer noch eine hohe Punktzahl. Denn man kann nicht behaupten, dass es Einheitsbrei wäre. 4,5 Sterne Man dürfte meiner Rezension anmerken, dass mich dieser Band eher enttäuscht hat. Insgesamt war er immer noch unterhaltsam - aber nur, weil man Figuren und Hintergründe bereits kennt. Die anderen beiden Bücher besaßen eine unabhängige, abgeschlossene Handlung mit Höhen und Tieren, entwickelten die Figuren, stellten interessante Schauplätze vor. Hier haben wir eine unspektakuläre Handlung, wenig Wendungen, ein wesentlich uninteressanteres Setting, eine Enthüllung, die nicht wirklich überzeugt und eine vielgeteaserte Figur, die nicht wirklich zu überzeugen weiß. Für mich ist das ein Zwischenband, der lediglich dazu dient, die weiteren Bücher vorzubereiten. Das ist in meinen Augen allerdings unglücklich: Vor allem wäre das dann doch auch kürzer gegangen und temporeicher gegangen. Fazit: Immer noch ein gutes Buch, das aber nicht den Erwartungen gerecht wurde. Gesamtwertung: 4,1 Sterne, macht gerundet 4 Sterne