Anna Strauss ist die Ehefrau des berühmten Johann Strauss, des Walzerkönigs. An ihrer Seite ist ihre beste Freundin Emilie. Als diese sich als die Geliebte ihres Mannes entpuppt, entbrennt ein Streit um Ehre, Familie und Ansprüche.
Sina Beerwald gibt mit ihrem Roman Die Walzerkönigin einen teils realen, teils fiktiven Einblick in das Leben der Familie Strauss und die Entwicklung der beiden Walzerkönige.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitperspektiven, wobei die jüngere Zeitperspektive nur als Ein- und Ausleitung gilt. Die Handlung wird zum Teil in Romanform erzählt und zum Teil in Tagebuchform.
Die Figur der Anna Strauss hat mich beeindruckt. Die Darstellung ihrer Persönlichkeit wirkt modern und kämpferisch, wogegen Emilie eher blass und unscheinbar wirkt, obwohl auch sie eine Kämpfernatur ist.
Aber besonderen Augenmerk sollte man beim Lesen auf die Entwicklung der Beziehung der beiden legen, die sich zwischen Respekt und Anerkennung, Neid, Missgunst und auch einer Spur Überheblichkeit bewegt. Genau das ist es, was diesen Roman ausmacht.
Interessant fand ich die Darstellung des Johann Strauss sr., der sehr gewöhnungsbedürftig rüberkommt. Auch sein Verhalten gegenüber seinen ehelichen und unehelichen Kindern nimmt sich hier nicht aus und stellt z.T. ein Wechselbad der Gefühle dar.
Mein Fazit: Ein spannender Roman, der sehr tiefgründig in der Emotionalität ist. Er animiert mit seiner teils realen, teils fiktiven Erzählweise dazu, sich über die Familie Strauss zu informieren und sich ein eigenes Bild zu bilden. Auch das Wien der damaligen Zeit mit seinen Verflechtungen und Gesetzen ist eine tolle historische Darstellung, die neugierig macht.
Wer also historische Romane, Musikgeschichte und klassische Musik liebt, ist hier gut aufgehoben.