Es zieht sich schon ziemlich in die Länge und trotzdem war es irgendwie gut!
In einer Welt voller Mythen und Legenden gibt es jene, die daran glauben, und die anderen, die davon nichts halten, was der Mehrheit entspricht. Holland glaubt daran und besucht deshalb den Kurs der Professorin über Folklore, doch was passiert, wenn alles real wird?"Es begann mit einem Flüstern in deinem Ohr in der Warteschlange im Coffeeshop, eine Geschichte, die du wahrscheinlich besser ignoriert hättest. Doch das Gerücht hat sich in deinem Kopf festgesetzt wie ein Song, wie ein ungelöstes Rätsel, das dich einfach nicht loslassen wollte.¿Wir haben einen Urban-Fantasy-Roman, der mit einer faszinierenden Grundidee und einer vielversprechenden Mischung aus alten und neuen Mythen startet, sich jedoch im Verlauf leider immer wieder selbst ausbremst. Der Schreibstil ist detailreich, aber oft auch überladen, sodass sich viele Passagen unnötig in die Länge ziehen. Gerade am Anfang braucht man einiges an Geduld, um überhaupt in die Geschichte hineinzufinden, da sowohl Welt als auch Tonfall zunächst etwas sperrig wirken. Die Handlung spielt zudem innerhalb weniger Tage, was zwar Tempo suggerieren könnte, sich hier aber eher unrealistisch und gedrängt anfühlt, ohne tatsächlich Spannung aufzubauen. Positiv hervorzuheben ist jedoch die atmosphärische Welt, die besonders gegen Ende ihr volles Potenzial entfaltet und zusammen mit dem Magiesystem zu den stärksten Aspekten des Buches gehört. Ich hätte mir schon mehr Magie-Wirkungen gewünscht, doch die Balance wurde ganz gut gehalten.Die Protagonistin Holly gehört definitiv zu den interessanteren Elementen der Geschichte. Sie bringt eine gewisse Tiefe und Eigenständigkeit mit, die neugierig macht und das Interesse am Weiterlesen aufrechterhält. Ihre Gedanken und inneren Konflikte sind nachvollziehbar, und sie wirkt nie völlig austauschbar, was in diesem Genre nicht selbstverständlich ist. Durch die Vergangenheit und ihre Familie bekommt Holland Charakter und die Kapitel aus der Du-Perspektive, die zwischendurch auftauchen, bringen sie einem näher. Gleichzeitig wird ihre Entwicklung jedoch immer wieder von ausschweifenden, teilweise belanglosen Dialogen und inneren Monologen ausgebremst. Dieses "Gebrabbel drumherum" nimmt oft den Fokus von dem, was Holly eigentlich ausmacht, und verhindert, dass ihre Figur noch stärker zur Geltung kommt. Nicht alle Entscheidungen sind nachvollziehbar, vor allem was die Männer in ihrem Umfeld angeht, aber da kämpft man sich als Leser durch.Die Nebencharaktere, insbesondere die männlichen Figuren, hätten ein echtes Highlight werden können, bleiben jedoch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Personen wie die Professorin oder Hollands Schwester machen einen guten Eindruck, doch der Fokus liegt auf etwas Anderem. Gabe, Mason und Adam stehen alsoim Vordergrund und entweder man glaubt dem einen oder dem anderen. Es ist undurchsichtig und sie werden zunächst als mysteriös und vielschichtig eingeführt, verlieren jedoch im Verlauf zunehmend an Spannung. Statt die angedeuteten Geheimnisse konsequent auszubauen, verlaufen viele ihrer Handlungsstränge im Sande oder wirken zum Ende hin sogar unnötig. Auch die angedeuteten romantischen Elemente bleiben überraschend blass, eine wirkliche Liebesgeschichte ist kaum vorhanden, und die Dynamiken zwischen den Figuren wirken eher halbherzig als mitreißend. Gerade hier verschenkt der Roman viel Potenzial, da die Grundlage für komplexe Beziehungen durchaus gelegt wird, aber nie vollständig ausgeschöpft wird. Schließlich wirbt der Roman mit "Magisch, düster und romantisch¿ und hier wurden definitiv nur die ersten beiden Aspekte erfüllt.Die Handlung selbst ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bietet sie mit der Verbindung von verschiedenen Mythen, magischen Elementen und einer modernen Welt eine spannende Basis. Andererseits leidet die Umsetzung unter deutlichen Längen und einem unausgeglichenen Spannungsbogen. Einige Plottwists sind vorhersehbar, andere wiederum überraschend gelungen, was für ein wechselhaftes Leseerlebnis sorgt. Besonders stark ist jedoch das Ende des Buches: Hier zieht die Geschichte endlich an, die Magie wird intensiver und die Ereignisse wirken durchdachter und emotionaler. Der Abschluss hinterlässt zudem ein Gefühl von Offenheit - es bleibt unklar, ob ein zweiter Teil folgen wird, was sowohl reizvoll als auch leicht frustrierend sein kann. Wie Holland versucht, die Todesfälle aufzuklären und dabei von einer gefährlichen Situation in die nächste gerät, war durchaus fesselnd und Action-Szenen gab es ohne Zweifel genug. Das Problem waren für mich die absolut unrealistischen Zufälle und wie der Plot aus dem Nichts durch eine rein zufällig schon einmal gehöre Geschichte vorangebracht wird, was schade war.Insgesamt bleibt es Buch mit starken Ansätzen, das jedoch durch seine Längen und ungenutzten Möglichkeiten daran gehindert wird, sein volles Potenzial auszuschöpfen, wobei ich trotzdem 3,5 Sterne verleihe!